INDEX
 
Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 15
Friederike Brun (1765 - 1835)
...

TEXT 14

TEXT 16


Elektrizität. - Die Gardesoldaten

Die großen Entdeckungen Franklins in der Elektrizität, wurden jetzt durch Kratzensteins sehr besuchtes Kollegium, so zu sagen populär gemacht. Bruder Fritz schafft sich eine Elektrisirmaschine an, der Vater hilft uns mit vielem Interesse, und mich unterrichtet der Bruder so gut, dass ich bald mit weiblicher Gehändigkeit, nicht allein ihm alles in zierlicher Ordnung halten, sondern sogar vor den Neugierigen die ganze ätherische Artillerie abfeuern konnte.. Dieses war nun ein herrliches Spielwerk, bei welchem sogar zu guter letzt noch einmal die abgesetzten Puppen wieder zu Ehren kommen, denn eine derselben ward prächtig mit Kron und Zepter begabt, und mit dem königlichen Mantel bekleidet; und diesem blitzschleudernden Jupiter, die Krone abzunehmen, war das höchste Wagestück; denn der es that, erhielt einen sehr heftigen elektrischen Schlag. Ich habe wahrscheinlich dieses zu häufig gethan, denn mir trieben das Wesen ohne Maaß, und dies mag wohl zu meiner groß Nervenreizbarkeit nicht wenig beigetragen haben. Die größte Lust bestand nun in den Experimenten an Unwissenden, und dies gab zuweilen zu sor komischen Scenen Anlaß. Unser Haus lag an der hinteren Seite der Petrikirche, weche rundum mit größeren und kleineren Kirchhöfen umgeben ist; einer derselben begränzte der Länge nach unsern Hof, von dem er durch eine Mauer getrennt ward, welche große schöne Wallnussbäume überschatteten. Es war damals Sitte sich der königlichen Gardesoldaten, (deren Regiment beinahe nur aus lauter 6 Fuß hohen norwegischen Bergbewohnern bestand) zu manchen Kraft und Redlichkeit erfordernden Hausdiensten zu bedienen. Unserm Hause waren auch ein Paar derselben angewöhnt, welche Holz sägten und hauten, die Wäsche rollten, ze. ze. Diese nun werden unter die Fenbster des Zimmers im zweiten Stocke (in welchem die Elektrisirmaschine sich befand) auf eine innere Treppe des Hofes gestellt; man gab einem den Stahldraht, der aus dem Fenster herabgeleitet war, in die nervige Hand, und bat den andern nur seinen Kameraden anzufassen. Der Zauber begann oben, der Schlag durchfuhr die mächtigen Glieder der Söhne Odins. - Sie sahen sich erstaunt an, verlangten aber Wiederholung der unsichtbaren Wundererschütterung. Während dem hörten wir den einen zum andern sagen: "Hör Bruder, sieh du zum Fenster hinauf, ob der Satan da herunterfährt; ich will auch die Seite vom Kirchhofe acht geben, denn vielleicht ists der Tod und so kömmt er daher." Beide standen fest, die starren Blicke, dieser zum Fenster hinauf, der andere über die Kirchhofmauer hin, gerichtet. - Der verstärkte Schlag durchzuckte sie von neuem, ohne dass weder Tod noch Teufel sichtbar wurden. Da baten sie sich ihr Trinkgeld aus, und wollten fürder mit unserem unsichtbaren Hokuspukus nichts mehr zu thun haben. -

Allein bei mir entwickelten diese sinnvollen Spiele, alle innere Sinne; und der edle Vater mischt in dieselben so manches geistvolle Wort, über den großen Umfang dieser Entdeckungen, über die neue Theorie der Gewitter, und gab dem Ganzen ein hochreligiöse Bedeutung, indem er mich bei jeder neuen Erfahrung, auf die Andeutung des Schöpfers hinleitete. Ueberhaupt lerne ich noch immer nur durch das, was ich höre und sehe; Haubers, Preislers, Fabritius, Zoëg´s, Bruder Fritzes, und früher Niebuhrs Worte, fielen nie auf die Erde, und ich war bis zu meinem 23sten Jahre*) keinesweges taub. -

*) Wo ich es im schrecklichen Winter 1788 und 89 in einer Nacht ward!