Lyngbye
Ich erinnere nicht, ob es doch noch bis um die Zeit seiner
Abreise war, dass Resetwitz im Sommer ein Landhäuschen da
bewohnte? Auch Gerstenberg (damals Rittmeister, immer aber Priester
im Tempel der Grazien) wohnte da, mit seiner edlen und geliebten
Gattin. Beide waren sehr musikalisch, und ich erinnere mich sehr
wohl die beiden hohen noch in voller Blüthe des Lebens und
der Lebe glühenden Gestalten, ihren schönen Gesang,
und mein tiefes Gefühl, wenn sie die Krone der zärtlichen
Elegien Klopstocks, Gelmar und Gelma, nach Reeses rührender
Weise, zusammen vortrugen.
Hier in Lyngbye (einem hübschen offenen Flecken anderthalb
Meilen von Kopenhagen) bewohnte auch der alte redliche Preisler
(der letzte berühmte Künstler, aus der ehrwürdigen
Nürnbergischen Künstlerfamilie der Preisler) ein freundliches
Landhaus. Da war nun recht meine Wonne ein oder zweimal im Sommer
hinzukommen. Die herzliche selenvollste Gastfreiheit wohnte hier,
neen der reizendstgeordneten Häuslichkeit. Die treue Bauzis
des frommen Philemon, (denn unter der Gestalt erschienen mir
immer Beide) wetteiferte mit ihm, den Freunden Liebes zu erweisen,
und mit froher Bereitwilligkeit den Ueberfluß des wohlgepflegten
Gartens, des Hühnerhofes und Fichtteiches, in wohlschmeckenden
Gerichten, mitzutheilen.
Lyngbye war aber auch voll heiliger Spuren. Hier hatte Klopstock
oft Wochenlang gewohnt! Auf dem Lyngbyer See lief er am liebsten
Schlittschuhe, da hall´ten die Wälder noch seine unsterbliche
Ode, der Eislauf zurück; da schwebte das Wild des großen,
unter uns entschwundenen Mannes, mir vom Morgentraume der Kinderheit
umdämmert vor!
|