INDEX
 
Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 14
Friederike Brun (1765 - 1835)
...

TEXT 13

TEXT 15


Lyngbye

Ich erinnere nicht, ob es doch noch bis um die Zeit seiner Abreise war, dass Resetwitz im Sommer ein Landhäuschen da bewohnte? Auch Gerstenberg (damals Rittmeister, immer aber Priester im Tempel der Grazien) wohnte da, mit seiner edlen und geliebten Gattin. Beide waren sehr musikalisch, und ich erinnere mich sehr wohl die beiden hohen noch in voller Blüthe des Lebens und der Lebe glühenden Gestalten, ihren schönen Gesang, und mein tiefes Gefühl, wenn sie die Krone der zärtlichen Elegien Klopstocks, Gelmar und Gelma, nach Reeses rührender Weise, zusammen vortrugen.
Hier in Lyngbye (einem hübschen offenen Flecken anderthalb Meilen von Kopenhagen) bewohnte auch der alte redliche Preisler (der letzte berühmte Künstler, aus der ehrwürdigen Nürnbergischen Künstlerfamilie der Preisler) ein freundliches Landhaus. Da war nun recht meine Wonne ein oder zweimal im Sommer hinzukommen. Die herzliche selenvollste Gastfreiheit wohnte hier, neen der reizendstgeordneten Häuslichkeit. Die treue Bauzis des frommen Philemon, (denn unter der Gestalt erschienen mir immer Beide) wetteiferte mit ihm, den Freunden Liebes zu erweisen, und mit froher Bereitwilligkeit den Ueberfluß des wohlgepflegten Gartens, des Hühnerhofes und Fichtteiches, in wohlschmeckenden Gerichten, mitzutheilen.
Lyngbye war aber auch voll heiliger Spuren. Hier hatte Klopstock oft Wochenlang gewohnt! Auf dem Lyngbyer See lief er am liebsten Schlittschuhe, da hall´ten die Wälder noch seine unsterbliche Ode, der Eislauf zurück; da schwebte das Wild des großen, unter uns entschwundenen Mannes, mir vom Morgentraume der Kinderheit umdämmert vor!