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Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 13
Friederike Brun (1765 - 1835)
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TEXT 12

TEXT 14


Auf Jægersborg

Diesen reizenden Landsitz, eine Meile von Kopenhagen, an sanften Hügeln erbaut; den nahen Sund, die Hauptstadt in reizender Perspective, und die schönen Buchenhaine des Thiergartens überblickend, bewohnte der Graf Petrus von Bernstorff im Sommer. Nie hat mir ein Wohnort mehr dem Charakter der Bewohner zu entsprechen geschienen; Ruhe nach der That, und in der Thätigkeit steter Überblick der Gegenstände derselben! Noch sehe ich oft im Geiste die hohe Gestalt des Verklärten, dort unter den Schatten wandeln, (die der große Oheim pflanzte; und welche Klopstock und Cramer aufblühen sahen;) Ehrfurcht und Liebe gebietend, einer der größten Männer seiner Zeit und der Liebenswürdigsten! Neben ihm die einzig geliebte Gattin, die edle Mutter dieser Kinderschaar!
Da schwebten wir so recht in Himmelsfreude, in den blumigen Auen, unter den blüthenduftenden Hainen umher, Bienen und jungen Psychen gleich! Auch hier thaute Wehmuth auf unsere Freuden! Emilien war eine Urne im einsamen Haine geweiht, ein bescheidenes Denkmal der Freundschaft; diese ward mit den schönsten Blumen des Frühlings (und wo blühte dieser Blüthenreicher als in Bernstorff, dem von Dichtern gepflegten Garten, wo die Blumenliebenden Stollberge walteten?) umwunden, und der Boden umher mit ihnen bestreut. Und so ward der süße Schmerz aufs neue zur seligen Freude! O Jugend, erste Jugend! Traum aus dem Paradiese, in welchem es keinen Schmerz gab, ehe die Schuld erschien, dich finden wir nur jenseits wieder!