INDEX
 
Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 16
Friederike Brun (1765 - 1835)
...

TEXT 15

TEXT 17


Das Gartenleben

Allein mein allerliebstes Leben war doch in dem Garten, welcher nun seit einem Jahre in den Sommermonaten von uns bewohnt ward. Da konnte ich meiner Liebe für alles Lebendige freien Spielraum geben! Da wurden Blumen gepflanzt, begossen, angebunden! Unter dem Schatten der Wallnussbäume im Stadthofe wollte kein Federvieh, keine Täubchen, kurz nichts gedeihen, trotz meiner sorgfältigen Pflege; ja man mußte mir dieses Steckenpferd dort nehmen, weil ich mich beim Absterben der gefiederten Lieblinge, gar zu erbärmlich abhärmte.
Hier nun fand ich ganz anderes Spielwerk. Meine Kinderliebe war unbegränzt, und ich hatte von jeher die kleineren Geschwister so gepflegt, daß Ammen und Wärterinnen auf mich bauend, oft darüber nachlässig geworden waren. Im untersten Stock unseres Gartenhauses, wohnte der Gärtner nebst einer zahlreichen Familie, aber auch die Arbeitsfrauen brachten ihre Säuglinge und kleineren Kinder mit, und legten solche ins Haus, währen sie arbeiteten. Dieser armen Würmchen nahm ich mich nun so treu und herzlich an, daß die Frauen, wenn man sie benachrichtigte: ihre Kinder schreien, ganz ruhig antworteten: "Jungfer Friederikchen paßt* sie schon!" Allein mein Eifer gieng noch weiter; ich suchte sogar die vernünftigere sachliche Art der Behandlung junger Kinder einzuführen.
Der Anblick eines auf die damals in Seeland gewöhnliche Art, gewickelten Kindes war erbarmungswürdig. Steif wie Mumien mit untergebundenen Armen, eingewickelt bis an den Hals; dann die Mütze fest unterm Kinne zugeschnürt, blieb den armen Geschöpfen nur das Auge frei, denn beim ersten Schrei wurden sie Kirschbraun, und drohten zu ersticken. O wie schnell eilte ich herbei, den armen fkleinen Gefangenen die Bande zu lösen! Anfangs erschracken die Mutter, wenn sie solche frisch gewaschen, und lose eingewickelt mit entfesselten Armen fanden - aber da die gute Mutter sich nach und nach, alte Windeln und Kamisöler von mir abbetteln ließ, und sie die Kinder ruhiger und geschmückt fanden, ließen sie es sich wohl gefallen, fa die neue Methode ward sogar von manchen nachgeahmt.

*) Dänisch-deutscher Ausdruck für warten, pflegen. (Anm. d. Verfasserin)