Das Gartenleben
Allein mein allerliebstes Leben war doch in dem Garten, welcher
nun seit einem Jahre in den Sommermonaten von uns bewohnt ward.
Da konnte ich meiner Liebe für alles Lebendige freien Spielraum
geben! Da wurden Blumen gepflanzt, begossen, angebunden! Unter
dem Schatten der Wallnussbäume im Stadthofe wollte kein
Federvieh, keine Täubchen, kurz nichts gedeihen, trotz meiner
sorgfältigen Pflege; ja man mußte mir dieses Steckenpferd
dort nehmen, weil ich mich beim Absterben der gefiederten Lieblinge,
gar zu erbärmlich abhärmte.
Hier nun fand ich ganz anderes Spielwerk. Meine Kinderliebe war
unbegränzt, und ich hatte von jeher die kleineren Geschwister
so gepflegt, daß Ammen und Wärterinnen auf mich bauend,
oft darüber nachlässig geworden waren. Im untersten
Stock unseres Gartenhauses, wohnte der Gärtner nebst einer
zahlreichen Familie, aber auch die Arbeitsfrauen brachten ihre
Säuglinge und kleineren Kinder mit, und legten solche ins
Haus, währen sie arbeiteten. Dieser armen Würmchen
nahm ich mich nun so treu und herzlich an, daß die Frauen,
wenn man sie benachrichtigte: ihre Kinder schreien, ganz ruhig
antworteten: "Jungfer Friederikchen paßt* sie schon!"
Allein mein Eifer gieng noch weiter; ich suchte sogar die vernünftigere
sachliche Art der Behandlung junger Kinder einzuführen.
Der Anblick eines auf die damals in Seeland gewöhnliche
Art, gewickelten Kindes war erbarmungswürdig. Steif wie
Mumien mit untergebundenen Armen, eingewickelt bis an den Hals;
dann die Mütze fest unterm Kinne zugeschnürt, blieb
den armen Geschöpfen nur das Auge frei, denn beim ersten
Schrei wurden sie Kirschbraun, und drohten zu ersticken. O wie
schnell eilte ich herbei, den armen fkleinen Gefangenen die Bande
zu lösen! Anfangs erschracken die Mutter, wenn sie solche
frisch gewaschen, und lose eingewickelt mit entfesselten Armen
fanden - aber da die gute Mutter sich nach und nach, alte Windeln
und Kamisöler von mir abbetteln ließ, und sie die
Kinder ruhiger und geschmückt fanden, ließen sie es
sich wohl gefallen, fa die neue Methode ward sogar von manchen
nachgeahmt.
*) Dänisch-deutscher Ausdruck für warten, pflegen.
(Anm. d. Verfasserin)
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