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Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 2
E. C. Hauber, 1782
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Königlich Kopenhagener Porzellan
 
Die königliche Porcellainfabrik in der Kaufmacherstrasse. Dänemark hat sowohl die Erde zum ächten Porcellain als die übrigen dazu erforderlichen Steinarten ingleichen den rechten feuerfesten Leim zu Capseln, hauptsächlich in Bornholm. Es ist daher unter der Regierung Königs Friederich V dreymahl ein Versuch gemacht worden, ein Porcellainwerk anzulegen. Das erstemal durch einen Sachsen Namens Ludwig von Lücke, dessen Anlage viel kostete und' doch fruchtlos war. Nachher durch des vorigen Landsman Melhorn, dessen Arbeit eben so wenig glücken wolte, unerachtet er ebenfals von der Regierung unterstützt ward und alle erforderliche Materialien hatte. Der dritte war Fournier, ein Franzose; dieser brachte es zwar weiter wie seine Vorgänger, arbeitete aber mit eben so schlechtem Erfolg, obgleich mit weit grössern Kosten. Der Fehler war, daß sein Porcellain nicht nur sehr glasartig sondern auch porös ausfiel und dabey ungemein kostbar folglich nicht zum gemeinen Gebrauch war, also daß die Hauptabsicht nämlich das Geld das für fremdes Porcellain ausgegeben ward im Lande zu behalten, nicht erreicht werden konte, weshalben auch diese Anlage nach Verlauf von fünf Jahren aufgegeben ward. Nach allen diesen kostbaren und fruchtlosen Versuchen von Fremden erfand ein dänischer Chymist der Justizrath Franz Heinrich Müller, ein ächtes ganz von den vorerwähnten verschiedenes Porcellain, wozu bloß einländische Materialien gebraucht werden. Er legte dem Publicum 1774 einen Plan wegen Anlegung einer Porcellainfabrik vor, allein da es wegen Mangel an Interessenten keinen Fortgang hatte, nahmen sich die Königin Juliana und die königliche Prinzen, in deren Herzen Königs Friedrichs V und des jetzt regierenden Königs Liebe zu den Unterthanen und Bemühung für das Glück und Ehre ihrer Staten leben und würken, der Sache an, denen also vornämlich der Ruhm wegen dieser schönen und wichtigen Einrichtung gebühret. Da sie von dem beträchtlichem Verluste überzeugt waren, den der Handel mit fremdem sonderlich europäischem Porcellain dem Lande zufügte, beschlossen sie aller gemachten Einwendungen und Hindernisse ungeachtet, das Werk ernstlich zu unterstützen, welches darauf 1775 mit einigen wenigen Mitinteressenten angelegt und mit königlichem Privilegio versehen ward, da es wahrscheinlich in kurzem zu einer solchen Vollkommenheit kommen mußte, daß es dem Lande Tonnen Goldes ersparen könte, und dieses um so gewisser, da die Direction Männern anvertrauet ward, die man als uneigennützig von reifer Einsicht und eifrig für das gemeine Wohl kante. Die Fabrik, worin ausser gedachten königlichen Personen nur einige wenige Patrioten Theil nahmen, hatte so geschwinden Fortgang, daß sie nach drey Jahren, vornämlich durch den unermüdeten Fleiß des Conferenzraths Holmskiold, in einem solchen Zustande war, daß man ihre Vollkommenheit und Dauer mit Gewißheit zum voraus sehen konte; um so mehr da das Porcellain nun zu einer weit grössern Schönheit wie anfangs gebracht und der norwegische Kobald dazu brauchbar gemacht war, so daß er, so wie das Porcellain selbst, an Ansehen und Güte keinem europäischen nachgiebt.