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Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 3
Friederike Brun (1765 - 1835)
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TEXT 2 

TEXT 4


In den Grabkapellen

Mit dem Spielen giengs nicht recht mehr, und die Handarbeiten waren eine Lexion, die man, (schnell vollbringend das Aufgegebne) abschüttelte, und die dem lebendigen Geiste gar keine Nahrung ab. Diese aber fand er desto reichlicher in der großen schönen Totenkapelle, welches helle majestätische Kreuzgewölbe den geliebten Kirchhof, an der südwestlichen Seite einschloß. Da wurden die prächtigen Grabmäler, die schweren ungeheuren Marmorsarkophage, die sammetbekleideten und goldbesetzten Särge bewundert; die Inschriften gelesen, und manches Monument von einem höheren Sinne allegorisch belebt, ward verstanden, und mit Wehmuth gefühlt. Allein mitten im Boden der Kapelle war eine Gruft, worin die Leichen nicht verweseten, und diese war um die Merkwürdigkeit bequem zeigen zu können, immer unverschlossen. Das Grab war bis oben hinauf voll, und zu Oberst, wenn man die hölzerne Lücke auffschlug, stand der Sarg eines kleinen Kindes, welches, obschon seit hundert Jahren begraben, doch noch unverweset war, so daß man ihm das goldbesetzte Häubchen abnehmen, und wieder aufsetzen konnte - dieses zu sehen, ermüdete ich nie; der Totengräber war schon lange mein Herzensfreund, that mir alles zu Liebe, und öffnete mir das Grab so oft ich wollte! Kurz, das tote Kind ist meine letzte Spielpuppe gewesen; ich raubte zuweilen sogar kleine Mützen der Schwester, um sie dem toten Lieblinge aufzusetzen, ohne alles Grauen, und immer mit dem Bewußtsein, diese stau bige Hülle werde ja einst ein kleiner Engel.
Aber meine größte Freude war, im Mondschein auf dem Kirchhofe zu wandeln, wo denn wirklich Kirche, Kirchturm, Kapelle und die Linden umher, sich gar schön und feierlich ausnahmen. Zuweilen öffnete mir dann der gefällige Totengräber gar die Kapelle; dann überströmte mich ein heiliges Grauen, und das Kind, welches bei Tage sorglos mit dem toten Kinde spielte, ließ Klopstocks herrliches Auferstehungslied, mit Grauns seelenerhebender Melodie, aus voller Brust, und vollem Herzen, durch die Totengewölbe erschallen.