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Deutsche Spuren in Kopenhagen
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Friederike Brun (1765 - 1835)
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Das Rudern

Allein auf dem geliebten Gartenhause wurden alle Fesseln abgeworfen, da lief ich ohne Poschen noch Reifrock, mit geflochtenem Haar und dem leichten Spohnhute freudig umher. Die Lecktüren im Bonnet wurden fortgesetzt, und die unversiegbare Quelle des Trostes und der reinsten Freuden meines Daseyns durch den geliebten Vater immer aus tieferem Herzensgrunde emporgehoben, und in sanften Silverfäden befruchtend durch das Leben geleitet.
Ich war eine schwärmerische Anhängerin der dänischen Marine, und alles, auf See und Wasserwesen Bezug hatte, war so recht mein Leben. Im Frühlinge wurden wir immer von meines Bruders treuem Beschützer, dem edlen Grafen und Admiral Adam von Moltke, einige Male auf das Kriegschiff, welches er nun eben commandierte, geladen. Wie fröhlich schwebte ich da auf der eleganten, pfeilschnell von 16 Ruderern dahin getriebenen Schaluppe, über das hellblaue Meer dem majestätischen 74 Kanonenschiffe zu, von herrlicher Musik begleitet und empfangen! Da glänzte alles von Ordnung, Reinlichkeit, Wohlsein und Eleganz! Da war zuseilen bei schönem stillen Wetter auf dem Verdecke ein Tänzchen gemacht, und zwar ohne Fischbeinrock; denn mit dem ersten Mai legte ich all´ das Unwesen ab, und kein Mensch hätte es mir vor dem ersten November wieder angebracht.
Meines Vaters Garten lag zwischen dem Oster und Norderthore, näher dem ersten, an einem freundlichen kleinen Landsee, der Peblingersee genannt. Die Lage war wirklich recht anmutig und die Aussicht schön zu nennen. Denn aus den Fenstern des Hauses blickten wir den Osten über den (damals!!) lebenwimmelnden Sund auf die Küste von Schonen hinüber, wo mir mit einem mäßigen Telescope die Bewohner ihr Korn einärndten, und oft die Bauerfrauen vor ihren Häusern ihr fleißiges Wesen treiben sahen. Im Süden zeigten die schattigen Wälle und die Thurmperspective von Kopenhagen sich recht prächtig. Gen Westen aber blickten wir über den spiegelnden Landsee, seine grünenendumbüschen Ufer mit Landhäusern, Fabriken und Bleichen belebt, eine sanftsteigende Höhe hinan, welche das königliche Luft- und Residenzschloß Friedrichsberg krönt und mit seinen Gärten bedeckt.
Da ward ein kleines gutes Boot angeschafft, und Friederike, die Seeliebhaberin, erhält Unterricht im Rudern vom Admiral Adam Moltke selbst, und macht ihrem Lehrer so viel Ehre, durch Behendigkeit und Stärke, daß sie oft Vater, Mutter und Schwester Stundenlang allein herum rudert. Das war nun wieder ein neuer Jammerquell für die liebe Mutter. Anfangs ließ sie sich das Herumschweben ohne Müh (denn sie liebte nicht, sich Bewegung zu machen) wohl gefallen, allein bald erschien Blasen an meinen Händen, welche drohten sich zu Schwielen zu verhärten! Allein die Friederike hatte nun einmal einen Ueberschwang von Leben, dem nicht zu steuern war: "laß sie machen, (sagte der Vater) sie wird noch früh genug zahm werden!"
Eine meiner größten Seligkeiten war mit dem Vater bei aufsteigendem Gewitter am See, aber lieber noch am nicht fernen Meergestade zu wandeln, wenn die Wogen braußten und brandeten, und die Donnerschläge festlich darein hall´ten! Ungegründete Frucht hatte er mir benommen und sie wahre ist selten gegründet. Mein Lebenlang ist mir ein festliches Gefühl, ein lebendiger Anklang dieser Stunden in der Seele geblieben! "Mit feurigen Rossen Elias gen Himmel geführt zu werden," erklärte mein frommer Vater immer für den seligsten Tod! Auch mir ertönt die Stimme des Herrn immer im Donner, wie dem Oedipus auf Colonas, in Sophokles unsterblichem Meisterwerke.