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Deutsche Spuren in Kopenhagen
Text 11
A. von Treskow, 1837
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Lustschloß Friedrichsberg

Es hatte den ganzen Tag unaufhörlich geregnet, - um S Uhr nachmittags hörte es endlich auf, und wir beschlossen, den Rest des Tages zu einer Promenade nach dem Park von Friedrichsberg, etwa nur eine halbe Stunde von der Stadt, zu benutzen. Selten habe ich einen angenehmern Spaziergang gemacht als diesen. Der Weg dorthin ist so ländlich, daß man die Nähe einer großen Stadt gänzlich vergißt. Nach dem Regen hatte sich jeder Grashalm aufgerichtet und die Blumen hauchten ihre Wohlgerüche aus; auf den Blättern der Bäume und Sträucher sammelte sich der Regen in großen Tropfen, die in der Abendsonne glänzten; - die Kornfelder prangten in frischem Grün, - es war ein ganz herrlicher Abend. In Deutschland hatte ich schon einmal den Frühling durchlebt, - hier bestreute Flora eben die Beete mit buntfarbigen Tulpen und wohlriechenden Hyazinthen. Eine schöne Allee von alten schattigen Bäumen führte uns zu dem Eingange des Parkes, der mit einem kleinen Blumengarten beginnt. Angenehm ruht sich's auf den Bänken desselben, woselbst man eine Luft einatmet, die mit den angenehmsten Wohlgerüchen gewürzt ist. Da wir keinen Sonntag oder Mittwoch zu unserer Partie gewählt hatten, fanden wir die langen schattigen Gänge des Parkes ganz leer; es wehrte uns also niemand, uns vor Vergnügen auf die Köpfe zu stellen.
Nur gleich nach dem schmalen Hügel (Smalle Hoj), hieß es, bevor die Sonne gänzlich untergeht, denn schon funkelte sie dunkelrot durch die alten Buchen. Auf dem Wege dorthin erblickten wir auf einem Hügel das freundliche, moderne Schloß, von Friedrich IV. im neuern italienischen Stil erbauet. In ihm hat die unglückliche Königin Auguste, die Gemahlin Christians VII., vielleicht ihre letzte glückliche Stunde verlebt. Auf einer von ihr selbst angeordneten Maskerade schwebte sie in jenem großen Saal an der Hand ihres geliebten Günstlings Struensee einher und ahnete nichts Böses. Da ward sie mit Zustimmung ihres blödsinnigen Gemahls auf Anstiften des Adels, dem die heilsamen Neuerungen des begünstigten Ministers nicht gefielen, plötzlich von mehreren Masken in ein Nebenzimmer gedrängt, mit Gewalt ergriffen und die Stiegen hinuntergetragen. An jenem Portal hielt der mit bewaffneten Reitern umgebene Wagen; ein Stabsoffizier, den gezogene Säbel in der Hand, setzte sich mit ihr hinein, und fort gings nach dem festen Schlosse Kronenburg bei Helsingör. - Nie hat sie Friedrichsberg, noch den unglücklichen Struensee wiedergesehen. Nach kurzem Prozeß wurde dieser mit Brand gemeinschaftlich enthauptet; die Königin aber ward nach mehrmonatlicher Haft von ihrem Gemahl geschieden und, als hannoverische Prinzessin, nach ihrem Vaterlande zurückgeschickt, woselbst man ihr Celle als Wohnsitz anwies. Unter Verrichtung christlicher Werke starb sie daselbst. So reicht bei Hoch und Niedrig eine Minute hin, alles umzugestalten.
Unter diesen melancholischen Betrachtungen waren wir nach Umgehung einer dichten, glatt geschorenen Hecke links vom Schloß zum schmalen Hügel gelangt. Unbeschreiblich schön ist die Aussicht, welche man von ihm aus über die lachende Gegend, die dampfende Stadt mit ihren zahlreichen Türmen, über diese hinaus nach dem Hafen mit den vielen Schiffen, und weiter über den Sund hinüber nach Schweden hat. Die Abendbeleuchtung gießt eine so unaussprechliche Ruhe über die Landschaft, und weckt so sanfte, liebliche Bilder in der Brust, wie keine Morgenbeleuchtung sie erzeugen kann.