Lustschloß Friedrichsberg
Es hatte den ganzen Tag unaufhörlich geregnet, - um S
Uhr nachmittags hörte es endlich auf, und wir beschlossen,
den Rest des Tages zu einer Promenade nach dem Park von Friedrichsberg,
etwa nur eine halbe Stunde von der Stadt, zu benutzen. Selten
habe ich einen angenehmern Spaziergang gemacht als diesen. Der
Weg dorthin ist so ländlich, daß man die Nähe
einer großen Stadt gänzlich vergißt. Nach dem
Regen hatte sich jeder Grashalm aufgerichtet und die Blumen hauchten
ihre Wohlgerüche aus; auf den Blättern der Bäume
und Sträucher sammelte sich der Regen in großen Tropfen,
die in der Abendsonne glänzten; - die Kornfelder prangten
in frischem Grün, - es war ein ganz herrlicher Abend. In
Deutschland hatte ich schon einmal den Frühling durchlebt,
- hier bestreute Flora eben die Beete mit buntfarbigen Tulpen
und wohlriechenden Hyazinthen. Eine schöne Allee von alten
schattigen Bäumen führte uns zu dem Eingange des Parkes,
der mit einem kleinen Blumengarten beginnt. Angenehm ruht sich's
auf den Bänken desselben, woselbst man eine Luft einatmet,
die mit den angenehmsten Wohlgerüchen gewürzt ist.
Da wir keinen Sonntag oder Mittwoch zu unserer Partie gewählt
hatten, fanden wir die langen schattigen Gänge des Parkes
ganz leer; es wehrte uns also niemand, uns vor Vergnügen
auf die Köpfe zu stellen.
Nur gleich nach dem schmalen Hügel (Smalle Hoj), hieß
es, bevor die Sonne gänzlich untergeht, denn schon funkelte
sie dunkelrot durch die alten Buchen. Auf dem Wege dorthin erblickten
wir auf einem Hügel das freundliche, moderne Schloß,
von Friedrich IV. im neuern italienischen Stil erbauet. In ihm
hat die unglückliche Königin Auguste, die Gemahlin
Christians VII., vielleicht ihre letzte glückliche Stunde
verlebt. Auf einer von ihr selbst angeordneten Maskerade schwebte
sie in jenem großen Saal an der Hand ihres geliebten Günstlings
Struensee einher und ahnete nichts Böses. Da ward sie mit
Zustimmung ihres blödsinnigen Gemahls auf Anstiften des
Adels, dem die heilsamen Neuerungen des begünstigten Ministers
nicht gefielen, plötzlich von mehreren Masken in ein Nebenzimmer
gedrängt, mit Gewalt ergriffen und die Stiegen hinuntergetragen.
An jenem Portal hielt der mit bewaffneten Reitern umgebene Wagen;
ein Stabsoffizier, den gezogene Säbel in der Hand, setzte
sich mit ihr hinein, und fort gings nach dem festen Schlosse
Kronenburg bei Helsingör. - Nie hat sie Friedrichsberg,
noch den unglücklichen Struensee wiedergesehen. Nach kurzem
Prozeß wurde dieser mit Brand gemeinschaftlich enthauptet;
die Königin aber ward nach mehrmonatlicher Haft von ihrem
Gemahl geschieden und, als hannoverische Prinzessin, nach ihrem
Vaterlande zurückgeschickt, woselbst man ihr Celle als Wohnsitz
anwies. Unter Verrichtung christlicher Werke starb sie daselbst.
So reicht bei Hoch und Niedrig eine Minute hin, alles umzugestalten.
Unter diesen melancholischen Betrachtungen waren wir nach Umgehung
einer dichten, glatt geschorenen Hecke links vom Schloß
zum schmalen Hügel gelangt. Unbeschreiblich schön ist
die Aussicht, welche man von ihm aus über die lachende Gegend,
die dampfende Stadt mit ihren zahlreichen Türmen, über
diese hinaus nach dem Hafen mit den vielen Schiffen, und weiter
über den Sund hinüber nach Schweden hat. Die Abendbeleuchtung
gießt eine so unaussprechliche Ruhe über die Landschaft,
und weckt so sanfte, liebliche Bilder in der Brust, wie keine
Morgenbeleuchtung sie erzeugen kann. |