Fragebogen 2

 [ S/W-Foto: Peter Radtke ]

 

Nachgefragt bei...

        Peter Radtke

"Karriere mit neunundneunzig Brüchen" lautet der Titel seiner 1994 erschienenen Biographie: Mit dreien dieser Brüche (Glasknochenkrankheit) kam Peter Radtke am 19. März 1943 in Freiburg/Br. als Sohn eines Schausspielers und einer Krankenschwester zur Welt.

Einen Namen machte er sich durch
Veröffentlichungen wissenschaftlicher und literarischer Texte zur Behindertenproblematik. Er arbeitet als Schauspieler auf der Bühne und beim Film. Seit 1984 ist er Geschäftsführer der "Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderte in den Medien".

 

Was ist für Sie das vollkommene Glück?

Auf dem Bauch liegen, dösen und sich die Karibiksonne auf den Rücken brennen lassen.

Wo möchten Sie gerne leben?

In Regensburg oder Wien.

Was ist Ihre größte Hoffnung?

Daß die Menschen, wider Erwarten, doch noch erkennen, daß die Unantastbarkeit menschlichen Lebens keine überkommene Ideologie vertrottelter Reaktionäre ist.

Was treibt Sie zur Verzweiflung?

Wenn man mich zu Vorträgen beglückwünscht, deren Auffassung man nicht teilt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Falls es typische weibliche Eigenschaften gibt: Intuition und Sensibilität.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Falls es typische männliche Eigenschaften gibt: Kameradschaft und Blick für Systematik.

Was ist Ihr größter Fehler?

Die Gefahr der Verzettelung.

Ihr Hauptcharakterzug?

Objektiv müssen es die anderen wissen; subjektiv: die Suche nach einem Kompromiß.

Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?

Daß der Mensch nicht nur aus Kopf besteht.

Was war / was ist Ihr größter Erfolg?

Wie soll das ein "Sonntagskind" wissen? Vielleicht meine drei Soloauftritte im Großen Haus des Wiener Burgtheaters.

Was ist Ihre liebste Beschäftigung?

Schreiben.

Ihr Lieblingsbuch?

Kafkas Werke und die Bibel.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Franz Kafka und Samuel Beckett.

Ihr Lieblingsfilm?

La Strada.

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Sport.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?

Gibt es eine Reform, die dieses Namens wert ist?

Wem zollen Sie Respekt?

Meinem verstorbenen Vater und meiner Frau.

Was würden Sie durchsetzen, wenn Sie für einen Tag Deutschland regieren würden?

Ein effektives Antidiskriminierungsgesetz, das sich nicht nur auf behinderte Bürger erstreckt.

Wie, denken Sie, wird in 10 Jahren die Stellung behinderter Menschen in Deutschland sein?

Ich fürchte, ich fürchte...

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Der, der ich bin.

Welchen Traum möchten Sie sich unbedingt noch erfüllen?

Auf einem Dampfer den Mississipi hinunter fahren.

Wie möchten Sie sterben?

Wie es mir bestimmt ist.

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?

Der Kompromiß aus zwei sich ausschließenden Weisheiten: "Ich fürchte nichts, ich hoffe nichts, ich bin frei" (Nikos Kazantakis) und "Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade" (Augustinus).

© Aktion Sorgenkind