BIOGRAFIE

Dänen deutscher Abstammung und Deutsche in Kopenhagen

Baumgarten, Hans Heinrich (Halstenbek (Holstein)1806 - Lyngby 1875), ursprünglich Sargtischler. 1828 in Kopenhagen und hier sowie in Preußen als Maschineningenieur ausgebildet, nach seiner Rückkehr Leiter der Berlingske Druckerei. Gründete die Maschinenfabrik Burmeister & Baumgarten auf Veranlassung von H.C. Ørsted 1846 in Overgaden neden Vandet 5 in Christianshavn.

Becker, Johann Gottfried (Husum 1639 - Kopenhagen 1711) , Hof- und Feld- und Reiseapotheker auf Empfehlung eines niederländischen Alchimisten bei König Christian III. Naturwissenschaftliche Forschung und Organisation des Apothekenwesens. Eröffnete 1670 die Elefantenapotheke in der Købmagergade und gab sie 1708 an seinen einzigen Sohn Gottfried weiter. Er starb an der Pest 1711. Begraben in den St. Petri-Grabkapellen unter einem prachtvollen erhaltenen Barockepitaph. Die Familie Becker stammte usprünglich aus Flandern und musste aus religiösen Gründen ins Herzogtum Berg fliehen. Ein umfangreiches Familienarchiv wird von den Nachkommen bis heute bewahrt.

Benneweis, August Wilhelm (1836 - 1887), Schausteller, und Heinrich Christian August Miehe (1861), Zirkusdirektor aus Braunschweig. Der erstere hatte ab 1859 die Erlaubnis Konzerte zu veranstalten. Der Ausdruck cirkustysk (Zirkusdeutsch) kommt daher, dass Zirkusse immer international waren und keinen festen Standort kannten. Alle Zirkusfamilien vor dem 2. Weltkrieg (Schumann, Renz) waren deutschen Ursprungs. Albert Maximilian Schumann wurde 1915 in Berlin geboren, aber sein Bruder Max 1916 in Kopenhagen.

Berger, Johann Just von (Celle 1723 - Kopenhagen 1791), Arztsohn aus Celle, 1745 Dr. med.in Göttingen. 1751 als Leibarzt des Königs Fr.V., vermittelt durch J.H.E. Bernstorff, nach Dänemark gekommen. Mitbegründer des Frederiks Hospital, der Kirurgisk Akademi, der Pockenimpfanstalt und des Botanischen Gartens. 1776 geadelt. Interessierte sich für Kultur und besonders das musikalische Leben in der Stadt. Wohnung im Prinsens Palæ, Frederiksholms Kanal 12, wie ursprünglich auch Struensee. v. Berger starb 1791 an einem Trepanationsexperiment, das er selber gewünscht hatte, aber dem Chirurgen Kölpin schadete. Begraben in der Krypta der Deutschen Friedrichskirche mit seiner Frau, die dem adligen Geschlecht von Rumohr entstammte, und zwei Kindern. Später auf den Friedhof umgebettet.

Berling, Ernst Henrich (Lauenburg 1708 - Kopenhagen 1750), Drucker und Verleger. Druckerlehre in Stralsund. Seit 1731 in Kopenhagen bei Universitätsbuchdrucker und Zeitungsverleger deutscher Herkunft J.J.Höpfner in Doppelhaus Skindergade 12. Verheiratete sich mit einer von dessen Töchtern und mietete zwei Jahre später ein Haus in der St. Kannikestræde, wo er sich selbständig machte. Druckte vor allem religiöse Bücher. 1736 zwei Gesellen, 1743 7 Gesellen und 5 Lehrlinge. Drucker von künstlerisch hochwertigen Büchern (Hafnia Hodierna und Den danske Vitruvius). Holbergs Drucker und Verleger. 1747 Hofbuchdrucker. Ab 1749 Herausgeber der Kjøbenhavnske Danske Post-Tidender, des Vorläufers der Berlingske Tidende. Begraben in St. Petri. Genaue Lage unbekannt. Druckerei später in der Pilestræde 93.

Bernstorff, Johann Hartwig Ernst (Hannover 1712 - Hamburg 1772, begraben in Lauenburg), Graf, verheiratet mit Charitas Emilie von Buchwald. Besaß die Güter Wotersen in Lauenburg und Wedendorf in Mecklenburg. Studierte in Tübingen und bildete sich dann auf zahlreichen Reisen durch Europa zum Diplomaten aus. Seit 1732 in Kopenhagen, erst als Kammerjunker dann als Volontär in der Deutschen Kanzlei unter Außenminister Schulin. Als 21-Jähriger bereits Gesandter in Sachsen. 1743 - 1750 Gesandter in Paris. Danach Außenminister von Dänemark-Norwegen. Er war immer abhängig von A.G. Moltkes Gunst, wennn er seine Politik durchsetzen wollte. Am Anfang war es die Allianz mit Frankreich. Als Außenminister betrieb er eine vorsichtige Allianzpolitik, die erst 1767 in Schwierigkeiten kam. Struensee entließ ihn 1770 und er verließ Kopenhagen für immer. Die letzten zwei Lebensjahre lebte er auf dem Gut Borstel. Neben seiner Tätigkeit als Außenminister interessierte er sich für Kunst und Literatur, die Bauernreformen, initiierte den Bau von Frederiksstaden und betrieb die kostpielige Realisierung der Reiterstatue Frederiks V. Er holte viele Ausländer ins Land, um deren Fähigkeiten für den kgl. Hof und für Dänemark nutzbar zu machen. In seinem Besitz waren die Dörfer Vangede, Ordrup und Gentofte. Hier baute er ab 1757 das Schloss Bernstorff mit modernem Park und Gärten. Alle Schreiben an den König waren in deutscher Sprache verfasst, die Anweisungen für die dänischen Diplomaten waren französisch. Bei Jægerspris steht ein Denkmal von ihm, entworfen von Johannes Wiedewelt. Ein anderes von demselben Bildhauer steht bei Kildegårdsvænget am Lyngbyvej. Eine Straße in Kopenhagen ist nach ihm und seinem Neffen benannt.

Bernstorff, Andreas Peter (Hannover 1735 - Kopenhagen 1797), Graf, Neffe von J.H.E.B., verheiratet mit Henriette Friederike Gräfin Stolberg und in zweiter Ehe mit deren Schwester Augusta Louise. 1755 dänischer Kammerjunker. Seit 1758 in Kopenhagen. 1760 Kammerherr und Voluntär in der Deutschen Kanzlei. Danach Karriere in der Finanz- und Wirtschaftsverwaltung. Musste mit J.H.E. Bernstorff 1770 nach Deutschland zurück, kam aber schon 1773 zurück und erbte den Platz des Onkels. Danach bis zum seinem Tode der unbestrittene Leiter der Außenpolitik des Reiches als Verfechter einer Neutralitätspolitik, die Dänemark eine lange Hochkonjunktur bescherte. Er war Workaholic, tief religiös, dem Spiritismus zugeneigt und oft kränklich. Er schrieb nie ein Wort dänisch, konnte es aber sprechen. Er holte viele Deutsche ins Land, stiftete Legate und Schulen, von den politischen Zielen der Franz. Revolution hielt er nichts. Nach seinem Tod wurde er in der Friedrichskirche aufgebahrt und sein Sarg wurde von dort nach Dreilützow, seinem Gut in Mecklenburg, überführt. Im Bernstorff Park steht eine Statue mit seiner Figur.

Best, Werner (1903 - 1989), Jurist, Reichsbevollmächtigter. Seit 1935 bei der Gestapo, ab 1940 im Außenministerium. 1942 - 1945 in Kopenhagen. Er wünschte die Zusammenabeit mit der dänischen Regierung und verhielt sich entsprechend flexibel. Die dänischen Nazis hatte er abgeschrieben. Erst im August 1943 sah er ein, dass seine Politik gescheitert war wegen der deutschen Niederlagen an den Fronten in Europa. Die Politik der Zusammenarbeit mit den dänischen Staatsekretären ohne Einsatz großer Personalkräfte aus Deutschland schien anfänglich zu gelingen. Mit Pancke als Vertrautem Himmlers und dem wachsenden Druck von Wehrmacht und Polizei auf ihn, die einen scharfen Kurs verlangten, kam er wieder in Schwierigkeiten und seine letzten beiden Jahre standen im Zeichen der Politik des Terrors. Bei der Judenaktion 1943 spielte er eine Doppelrolle und die Auflösung der Polizei 1944 erfolgte gegen seinen Willen. Kurz vor der Kapitulation war seine Stellung wieder gefestigt. Nach Absitzen eines Teils seiner Strafe wurde Best 1951 aus Dänemark ausgewiesen.

Bovensiepen, Otto (1905 - 1979), SS-Standartenführer und Oberst der Polizei. Im Januar 1944 kam er als Chef der Sicherheitspolizei und des SD in die Hauptstadt und war aktiv bis zur Kapitulation. Er war der Hauptverantwortliche für die Bekämpfung der Widerstandsbewegung mit Gegenterror. Ihm gelangen mehrere Aktionen. Intelligent und dynamisch. Nach dem Generalstreik gab es Spannungen mit Best, weil er glaubte, nun kurz vor seinem Ziel zu stehen.

Boye Junge jr., Johann Peter (Bramstedt 1735 - Kopenhagen 1807), als Zehnjähriger 1745 in die Hauptstadt gekommen war er später als Zimmermann und Bauunternehmer einer der größten Arbeitgeber Kopenhagens. Schuf Skydebanen auf Vesterbro und die Kronprinsensgade. Sein Vater gleichen Namens war der Urheber der Turmspitze von St. Petri. Der Sohn war Chef der Kopenhagener Feuerwehr und verantwortlich für die Bekämpfung des Brandes von Christiansborg und des Stadtbrandes von 1795. Reformierte die Artillerie der Bürgerwehr und war Direktor der Kopenhagener Brandversicherung. Wohnte in Landemærket.

Brun, Friederike (Gräfentonna 1765 - Kopenhagen 1835), Schriftstellerin, Tochter des Hauptpastors B. Münter. 1783 heiratete sie auf Wunsch des Vaters den Großkaufmann Constantin Brun aus Wismar. Tochter Ida de Bombelles und weitere vier Kinder. Sie wuchs auf im Pfarrhof in der Nørregade und beschrieb ihre Jugend in ihrer Autobiographie «Wahrheit aus Morgenträumen » (1824). Sie verkehrte in ihrer Jugend im Kreise der Bernstorffs und Schimmelmanns. Schon früh begann sie zu dichten. Ihr Vater gab ihre erste Gedichtsammlung 1783 heraus. Das Dänische und das Deutsche beherrschte sie gleichermaßen gut. Sie schwärmte für Ewald und Klopstock. Obwohl sie nach einer Krankheit lebenslang schwerhörig war, verschaffte sich sich zahlreiche Kontakte zu den bekanntesten Leuten ihrer Zeit in Dänemark, Deutschland und der Schweiz. Sie reiste viel, u.a. mit Baggesen nach Bad Pyrmont. In der Schweiz traf sie die große Liebe ihres Lebens, den Baron Charles Victor de Bonstetten, der ihr sogar nach Kopenhagen folgte, bis ihr Gatte sie bat, zwischen ihm und dem Schweizer zu wählen. Sie wählte die sichere Existenz mit einem Winterpalais in Kopenhagen und einem Sommerpalais in Bagsværd. Hierher lud sie Künstler, Aristokraten und Diplomaten zu Gesprächen und Lesungen ein. Friederike Bruns und Kamma Rahbeks Salons waren Anfang des 19. Jahrhunderts die literarischen Zentren Dänemarks. Sie war eine große Menschenkennerin. Ihre Dichtung gehört dem sentimentalischen Zeitalter an und ist heute vergessen, während ihre Reisebeschreibungen immer noch frisch und lebendig wirken. F. Brun liegt in St. Petri Urtegård begraben unter einem Relief von H.E. Freund.

Buchthal, Fritz (Witten 1907), Neurophysiologe. Aus einer liberalen jüdischen Familie stammend kam Buchthal nach seinem medizinischen Studium, u.a. in den USA, schon im Mai 1933 nach Kopenhagen und nahm seine Forschungstätigkeit am Gymnastiktheoretischen Institut auf. Gründer der Neurophysiologie in Dänemark. 1939 dänischer Staatsbürger. 1943 - 45 an der Universität Lund. Mit dem Michaelsen-Institut bekam er nach dem Krieg sein eigenes Forschungsinstitut und wurde 1955 ordentlicher Professor an der Universität Kopenhagen. Große internationale Kapazität auf seinem Gebiet. Seine Familie lebt heute in Kalifornien.

Burmeister, Carl Christian (Kopenhagen 1821- Kopenhagen 1898), Ingenieur. Vater Gastwirt aus Mecklenburg, Lehre in der Polyteknisk Læreanstalt und ausgebildet zum Maschineningenieur. Mit einer Deutschen verheiratet. Studienreisen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Kam auf Professor H.C. Ørsteds Aufforderung hin nach Kopenhagen zurück und gründete 1846 mit H. H. Baumgarten auf Christianshavn die Maschinenfabrik Burmeister & Baumgarten. Eine Straße ist nach ihm benannt. Sein Landsitz war das Gärtnerwitwenhaus von Schloss Frederiksdal, das einmal Apotheker Becker gehört hatte

Callisen, Hinrich (Preetz 1740 - Kopenhagen 1824), nannte sich später Henrich Callisen, Chirurg, zweimal mit einer Deutschen verheiratet. Seine Biographie im Grundbuch, Kapitel Ärzte und Chirurgen.

Carl, Landgraf von Hessen (Kassel 1734 - Louisenlund 1836), seit 1756 in Kopenhagen und mit seinem Bruder Wilhelm mit den Kindern des Königs aufgewachsen. Spielkamerad von Christian VII. Er erhielt eine militärische Ausbildung und wurde schon als 14-Jähriger zum Oberst ernannt.Vizekönig von Norwegen, ein Titel, den Carl brauchte, um Gatte einer Königstochter zu sein. Der Elephantenorden gehörte auch zu dieser Ausstattung. Carl wurde Gatte von Louise, Tochter Frederiks V. Seine Tochter Marie Sofie Frederikke wurde Gattin König Frederiks VI. 1767 trat Carl plötzlich von allen Ämtern zurück, angeblich aus Verärgerung über den Lebenswandel seines Schwagers. Damit war seine Kopenhagener Zeit beendet und die nächsten fast 70 Jahre seines Lebens verbrachte er im Herzogtum Schleswig oder auf Feldzügen im Ausland. Er baute für seine Frau und sich das Sommerschloss Louisenlund bei Schleswig, wo er ein Theater leitete. Ab 1814 Generalfeldmarschall bis zu seinem Tode, und damit ranghöchster Offizier im Staat. Als Freimaurer, Patron der Reformierten Kirche und durch seine europäischen Beziehungen, u.a. zu Friedrich dem Großen von Preußen und zu seinen Verwandten auf dem britischen Thron hatte er weiterhin sehr großen Einfluss auf die dänischen Verhältnisse. Die größte Bedeutung hatte Carl für die Verwaltung Schleswig-Holsteins und das dänisch-norwegische Militärwesen, besonders die Artillerie. Seine Zeitgenossen beschrieben ihn als hochbegabt und sehr liebenswürdig. Reformiert getauft, tief religiös und eifriger Anhänger der Freimaurer und anderer geheimer Orden. Auch Spiritismus bis zur Goldmacherei waren ihm nicht fremd. Politisch blieb er sein Leben lang ein Konservativer ohne jegliches Verständnis für liberale Ideen. Einer der fleißigsten Briefschreiber seiner Zeit, meist in französischer Sprache.

Carstens, Adolph Gotthard (Kopenhagen 1713 - Kopenhagen 1795), Jurist. 1738 Sekretär in der Deutschen Kanzlei, wo er 56 Jahre lang tätig war. In Abwesenheit A.P. Bernstorffs war er drei Jahr lang Direktor. Nebenher hatte er zahlreiche Posten in der Verwaltung. U.a. war er es, der Struensees Todesurteil unterzeichnete.Er galt als gründlicher und kompetenter Kenner der dänisch-deutschen Verwaltung und als bester Experte im Staatsrecht und der Geschichte der Herzogtümer. Nebenher hatte er zahlreiche Interessen, als kritischer Historiker, als Philologe, als Mathematiker und als Philosoph. Er war bewandert in den lateinischen Klassikern und vermittelte Ewald Kenntnisse der Metrik Aus lübischer Familie stammend beherrschte er auch das Dänische perfekt. Seine literaturhistorische Bedeutung liegt vor allem in der Förderung Johannes Ewalds. Wohnungen Gammel Torv und Frederiksberggade 4. Begraben auf Assistens Kirkegård. Johannes Wiedewelt schuf ein Grabmonument für Carstens.

Carstens, Asmus (St. Jürgen (Schleswig) 1754 - Rom 1798), Maler. Ließ sich ab 1776 in Kopenhagen ausbilden, wo er sich für antike Skulptur begeisterte. Hier interessierte er sich auch für zeitgenössische und klassische Literatur. Mit dem Akademieunterricht war er oft nicht einverstanden. Von seiner ersten Italienreise 1783 bis Mailand kam er nicht nach Kopenhagen zurück sondern blieb in Lübeck. Er inspirierte die deutsche und dänische Kunst nach 1800 intensiv. Das Thorvaldsenmuseum besitzt frühe Zeichnungen von ihm. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Clemens, Johann Friderich (Gollnow 1748 - Kopenhagen 1831), Kupferstecher. Im Gegensatz zu den andreren Kupferstechern seiner Zeit, die aus Deutschland einwanderten, kam Clemens in eine Kopenhagener Malerlehre und erst an der Kunstakademie wurde er von Preisler zum Kupferstecher ausgebildet. Auf einer mehrjährigen Reise nach Paris und in die Schweiz vervollkomnete er seine Technik. Er wurde Stecher für Wiedewelt, dann Jens Juel, Abildgaard, den er sehr verehrte, und schließlich noch Eckersberg. Ab 1778 konnte er sich Hofkupferstecher nennen. Der König schickte ihn zu Aufträgen nach Berlin, wo er seine erste Frau fand, und London, wo er seine zweite Frau fand. Aber erst 1813 wurde er Akademieprofessor für Kupferstechkunst mit Dienstwohnung in Charlottenborg. Preußen machte ihn zum Mitglied der Kunstakademie in Berlin. Clemens´ Produktion die vielen Jahre hindurch war enorm.

Cloëtta, Christoph (Bergün (Graubünden) 1836 - Kopenhagen 1897), Schokoladenfabrikant. Er war einer von drei Brüdern, die um 1830 als Konditoren nach Kopenhagen kamen, um Arbeit zu finden. Am Amagertorv 4 hatten sie eine Konditorei und in der Østergade 62 ein Geschäft. Ab 1862 hatte er eine Schokoladenfabrik, die von 1865 an unter dem Namen Brødrene Cloëtta zuerst in der Sortedamsgade 19 und dann in der Niels Hemmingsensgade 32 betrieben wurde. Er selber wurde königlicher Hoflieferant und wohnte Skindergade 9. Bald war sie eine der führenden Fabriken Skandinaviens mit Filialen in Oslo und Malmö. Christophs Sohn Fritz Bernhard (1876 - 1950) führte die Fabrik nach dem Tode seines Vaters weiter. 1901 zog sie in die Hørsholmsgade um, nach 1950 nach Glostrup, wo sie 1960 schloss. Heute gibt es eine Fabrik mit diesem Namen in Schweden.

Cramer, Johann Andreas (Jöhstadt 1723 - Kiel 1788), studierte Theologe in Leipzig und verehrte Klopstock und Johann August Schlegel. Er war rhetorisch begabt und machte schnell Karriere. Wurde auf Empfehlung Klopstocks nach Kopenhagen geholt, wo er 1754 Pfarrer an der Hofkirche wurde. Besonders populär war er bei der Königinwitwe Sophie Magdalene. Er war Seelsorger und Freund der Familie Bernstorff. Obwohl er meist in deutschen Kreisen verkehrte, u.a. um Pfarrer Münter, nannte er Dänemark sein zweites Vaterland. 1764 Professor der Theologie an der Universität. Er hinterließ eine umfassende literarische und theologische Produktion. Seine Predigten allein umfassen 25 Bände. Bedeutungsvoll wurde seine Zeitschrift "Der nordische Aufseher" (1758 - 61), mit der er großen Einfluss auf den Geschmack und die Religiosität in Dänemark und Deutschland erlangte. Auf ihn geht auch die Gründung von Sneedorffs Zeitschrift "Den patriotiske Tilskuer" zurück. Wohnung in der Sankt Peders Stræde und Sommerhaus in Lyngby. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er als Superintendent in Lübeck und dann als Professor in Kiel, von wo er die Kontakte zwischen dem Kronprinzen und dem exilierten A.P. Bernstorff vermittelte.

Cramer, Peter (Kopenhagen 1726 - Kopenhagen 1782), Maler und Zeichner, Sohn eines deutschen Gärtners. Er war der erste, der Szenen aus dem dänischen Bauernleben malte. Gewandter Theatermaler. Die Skizzen zu den Kulissen sind verlorengegangen, aber es existieren sehr genau gezeichnete Szenen aus dem Kopenhagener Theaterleben.Wohnte in der Skindergade.

Dorothea (ca. 1430 - Kalundborg 1495), Königin aus dem Hause Brandenburg. In erster Ehe mit König Kristoffer von Bayern verheiratet und nach ihrer zweieinhalbjährigen kinderlosen Ehe übernahm Christian von Oldenburg die Witwe 1449. Mutter von König Hans, Königin Margrethe und König Frederik I. Sie war eine resolute Dame, die gut mit Geld umgehen konnte. Sie kämpfte jahrelang um Landesteile in Schweden, die ihrem ersten Mann versprochen worden waren. Bei Auslandsreisen Frederiks vertrat sie ihn in den königlichen Geschäften. Sie löste selber viele verpfändete Schlösser der Krone in den Herzogtümern ein und bekam dafür Holstein als Lehen und Schleswig als Pfand. Sie war die erste, die die Herzogtümer teilte, und zwar 1490 zwischen ihren Söhnen Hans und Frederik. Sie förderte den Franziskanerorden (in Køge u.a.) und reiste zwei Mal als Pilgerin nach Rom. Begraben im Dom von Roskilde.

Duckwitz, Georg Ferdinand (Bremen 1904 - 1973), Dipomat. Aus bremischem Handelspatriziat. Ab 1928 in Dänemark, wo er sich gute Kontakte verschaffte und die dänische Sprache lernte. 1939 Schifffahrtssachverständiger an der deutschen Gesandtschaft. Vertrauter von Werner Best und Paul Kanstein. Ursprünglich konservativ fasste er Sympathien zu sozialdemokratischen Ideen und näherte er sich schwedischen und dänischen Sozialdemokraten, besonders Hans Hedtoft. Mit stillschweigender Duldung von Best verriet Duckwitz 1943 die geplante "Endlösung der dänischen Judenfrage" an seine Kontaktpersonen. Er hatte ebenfalls enge Kontakte zum deutschen Widerstand gegen Hitler und sollte nach dem gelungenen Attentat Best ablösen. Er wurde aber nicht verraten und konnte 1951 nach dem Krieg am westdeutschen Generalkonsulat seine Arbeit in Kopenhagen wieder aufnehmen, von 1955 an als Botschafter. Verheiratet mit einer Schweizerin. Er plädierte auch später immer für Achtung vor Werner Bests Politik. Lit.: Duckwitz, G.F.: Erindringer om et hus i Lyngby. Lyngby 1966. Johannes Dose: Georg Ferdinand Duckwitz. København 1985. In der Botschaft eine Gedenkplatte mit u.a. seinem Namen.

Eickhoff, Johann Gottfried August (Wittenförden 1809 - Kopenhagen 1875), Fabrikant. Nach einer Schlosserlehre in Lauenburg kam er 1829 in die Hauptstadt und konstruierte hier 1836 die erste dänische Schnellpresse. Seine eigene Firma startete er 1848 im Keller des Zwischenhauses Nyhavn 31, wo er seine ersten Druckpressen baute. Er erwarb mehrere Patente für Schnellpressen und da seine Firma ständig wuchs, zog er 1862 in die Vesterbrogade 97 um. Seine Fabrik war eine der größten in der Druckereimaschinenbranche.Der Export ging nach ganz Europa. Er ließ für seine Arbeiter auch Wohnungen bauen. Die Eickhoffschen Fabriken waren bis in dieses Jahrhundert im Familienbesitz. Begraben in St. Petri.

Fenger, Peter (Lübeck 1719 - Kopenhagen 1774), Großhändler und Fabrikant. Stammvater aller Fenger in Dänemark, da er zehn Kinder hatte, u.a. den Chirurgen Christian Fenger und den Pfarrer Rasmus Fenger. Bis 1993 waren 17 Fengers im Kraks Blå Bog verzeichnet. Seit 1752 selbständig in Christianshavn. 1762 kaufte er Strandgade 6, wo seine Familie 70 Jahre wohnte. Nach seinem relativ frühen Tode führte seine Witwe das Geschäft weiter, u.a. eine Seifensiederei in Christianshavn. Begraben in der Krypta der Deutschen Friedrichskirche (Christianskirken).

Fortling, Jacob (Bayreuth 1711 - Kastrupgård 1761), Steinmetz, seit 1729 in Kopenhagen. Baute Kalk auf der Insel Saltholm und Marmor in Norwegen ab. Gründete 1749 Kastrup Kalkværk. Gründer der Kastrup Fajancefabrik (1755), deren Leiter ein Elsässer Porzellanmaler wurde. Zugleich war er königlicher Baumeister und betrieb die zu seinem Gut Kastrupgård gehörende moderne Landwirtschaft. Das Palais Lindencrone an der Ecke Sankt Annæ Plads und Bredgade hat er gebaut. Begraben in St. Petri.

Freiesleben, Theodor (Horsens 1825 - Frederiksberg 1906), Kavallerieoffizier, Generalinspektor der Kavallerie, Organisator der berüchtigten hellblauen Gendarmen. Patron der deutschen St. Petri-Gemeinde.

Freund, Hermann Ernst (Uthlede 1786 - Kopenhagen 1840), Bildhauer. Verheiratet mit seiner Kusine Amalie von Würden, Mitglied der St. Petri-Gemeinde. 1803 Schlosserlehrling, 1805 - 1809 Student an der Kunstakademie. Seit 1811 dänischer Staatsbürger. Als Graveur und Stempelschneider ausgebildet. Beeinflusst von N. Abildgaard und Thorvaldsen. Erst 1817 gelang es ihm, ein Stipendium für eine Italienreise zu erringen. Er war tief entttäuscht, als ihm nicht der Auftrag für die Skulpturen in der Vor Frue Kirke gegeben wurde. Aber Kronprinz Christian förderte ihn meistens. Freund schuf eine Reihe von nordischen mythologischen Figuren. In den späten Jahren lebte er von Aufträgen für Grabmäler und kleinere Denkmäler im antiken Stil. Zu erwähnen ist der Junge auf dem Schwan (1837) in Kongens Have. Viele seiner Arbeiten finden sich in der Glyptothek. Auf dem Assistens Kirkegård begraben. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Frobenius, Theodor (Weihersheim 1885 - Kopenhagen 1972), Orgelbauer, seit 1909 in Kopenhagen. Aus einer Pianofabrik machte er 1914 die Orgelfabrik Theodor Frobenius & Co. Ausgehend vom Vorbild der norddeutschen Barockorgeln revolutionierte er den Orgelbau in Dänemark. Die Orgel der Frue Kirke ist sein Werk.

Fraenckel, Liepmann (Parchim 1774 - Kopenhagen 1857), Sohn eines Hausierers, seit 1792 als Graveur bei seinem Onkel in Kopenhagen.Einer der beliebtesten Miniaturmaler des Landes, ein Beruf, der mit der Erfindung der Daguerrotypie ausstarb. Tapetenfabrikant seit 1826 (Grønnegade). Die Firma existierte bis 1922. Auf dem jüdischen Friedhof begraben. Ein von ihm gestiftetes Altersheim in Dyrkøb 3.

Fraenckel, Zadoc (Parchim 1766 - Kopenhagen 1836), Bruder von L.F., Ausbildung an der Chirurg. Akademie, Chirurg und Zahnarzt. Praxis und Wohnung in der Badstuestræde 13.

Frølich, Lorenz (Kopenhagen 1820 - Hellerup 1908), Zeichner und Maler aus deutschreform. begüterter Familie, die im 18. Jahrhundert eingewandert war. Sein Großvater war der Großkaufmann Peter Tutein. Schon als Kind liebte er das Zeichnen. Ab 1840 Reisen nach Deutschland. Sein Förderer war C.F. Rumohr. Er illustrierte deutsche, dänische und französische Bücher, hierunter viele Kinderbücher. Berühmt wurde er durch seine 30 Illustrationen zu Fabricius´ Geschichte Dänemarks. Nach zahlreichen Auslandsreisen lebte er nach 1857 in Flensburg. Er liebte nordische, antike und Renaissancethemen, oft Tier- und Pflanzenmotive mit typischen dekorativen Ranken und Arabesken. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Gabel, Kristoffer (Glückstadt 1617 - Kopenhagen 1673), Schatzmeister, Statthalter. Sein Vater war kgl. Proviantmeister und sein Sohn Frederik machte Karriere in dänisch-norwegischem Dienst. Begann seine Karriere als Schreiber des Erzbischofs Friedrich von Bremen, der dann König Frederik III. wurde. Als Verwalter der Privatschatulle des Königs begleitete er ihn 1648 nach Kopenhagen. Er war sein Leben lang nur dem König verpflichtet, nicht dem Reichsrat. Bald wurden seine Befugnisse ausgedehnt. Gabel verhandelte mit Schweden nach dem Frieden von Roskilde. Am Staatsstreich des Jahres 1660 war er kaum aktiv beteiligt auf Grund fehlender Kontakte zu den Ständen. Er saß aber im Oktober als Vertreter des Königs im Aktionsausschuss im Bischofshof in der Nørregade. Ab 1656 war er der eigentliche Leiter der dänischen Regierung. Besonderen Wert legte er auf ein gutes Verhältnis zu den Niederlanden. Er war ein pragmatischer Politiker ohne Visionen und Frederik unbedingt ergeben. Bei den Ständen war er sehr unbeliebt. Gabel wurde im Laufe der Jahre reich, bekam alle Einkünfte von den Färöern, kaufte Schloss Brahetrolleborg und wurde somit adelig. Als Statthalter von Kopenhagen besaß er in und vor der Stadt den St. Jørgens Sø, den Damhussø, Anne Sophie Reventlows Haus (hinter Schlossplatz 6) und den Blågård. Er aß und trank gern und erzählte deftige Witze. Nach dem Tode seines Brotgebers war seine Zeit vorbei. Er wollte erst nach Holland auswandern, blieb dann doch in Kopenhagen und starb hier 1673. Begraben im Turm der St. Petri-Kirche. Das Grab ist heute zugemauert und nicht zugänglich.

Gercken, Diederich (Bremen 1692 - Kopenhagen 1748), Bildhauer und Steinmetz aus einer reformierten Bremer Steinmetzfamilie, der bei seinem Onkel Andreas G. in Kopenhagen ausgebildet wurde. Er schuf Dekorationen und Skulpturen für zahlreiche Schlösser seiner Zeit und hatte deswegen eine große Werkstatt. Berühmt sind seine Rokokosarkofage von Frederik IV und Königin Louise im Dom von Roskilde. Die Figur von Sankt Peter über dem Eingang der Sankt Petri-Kirche stammt von ihm. Wie sein Onkel auf dem reformierten Friedhof begraben.

Gerstenberg, Heinrich Wilhelm (Tondern 1737 - Altona 1823), Schriftsteller und Offizier, Schleswiger, von 1765 bis 1775 in Kopenhagen. Durch seine Frau kam er in den Kreis um Bernstorff. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Angestellter in der deutschen Kanzlei. Die meiste Zeit seines Lebens hatte er finanzielle Sorgen. Seine Wohnung lag in der St. Kongensgade 98. Er verließ Kopenhagen und ließ sich in Eutin nieder. Schrieb Rezensionen, wurde aber berühmt durch sein « Gedicht eines Skalden »(1766), in dem die nordische Mythologie zum ersten Mal in der Dichtung auftauchte. In Kopenhagen schrieb er auch eine Tragödie und eine Kantate im modernen nordischen Stil.

Hanneken, Hermann von (1890 - 1981), General. Ab 1942 gegen seinen Wunsch in Kopenhagen als Chef der Besatzungsstruppen, um einen härteren Kurs durchzusetzen. Seine Amtszeit war geprägt von der erwarteten Invasion der Alliierten im Westen. Er war undiplomatisch und ging rücksichtslos gegen Sabotage vor. Hanneken stellte sich die Verfassung Dänemarks als Militärdiktatur vor. Die Auflösung der Polizei ist ihm zu verdanken. Zu Werner Best hatte er kein gutes Verhältnis. Am 17.1.1945 wurde er wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten entlassen, zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt, dann begnadigt, degradiert und an die Ostfront geschickt, was er sich immer gewünscht hatte.

Haas, Jonas (Nürnberg 1720 - Kopenhagen 1775), Universitätskupferstecher, kam mit seinen Söhnen Johann Meno (Hamburg 1752 - 1832) und Georg (Hamburg 1757 - 1817) wie andere Nürnberger (z.B. Marcus Tuscher und W.G. Baurenfeind, der Niebuhrs Arabische Reise in Kupfer stach) nach Kopenhagen. Wohnung Kongens Nytorv und Gothersgade. Der Vater war nur mäßig begabt, die Söhne leisteten bessere Beiträge als Kupferstecher. Der ältere ging 1786 nach Berlin, der jüngere wurde Hofkupferstecher. Der Vater liegt in St. Petri begraben.

Hauser, Conrad (Basel 1743 - Kopenhagen 1824), Kaufmann, Direktor der Asiatischen Kompanie. Philanthrop und reformierten Glaubens. Die Häuser Nr. 11, 28, 30, 32 (mit Packhaus) in der Hausergade sind von ihm erbaut worden nach dem Bombardement von 1807. Sein Landsitz am Strandvejen hieß Bonne Esperance. Sieben Jahre Vorsteher der Deutschref. Gemeinde und 24 Jahre Mitglied des Presbyteriums. Er starb in seiner Wohnung Hausergade 32.

Heimbach, Wolffgang, taubstummer Maler aus Oldenburg. 1652 - 1662 und 1667 in Kopenhagen, arbeitete an vielen Fürstenhöfen in Europa. Bekannt ist sein Gemälde Arvehyldingen von 1666.

Hennings, Adolph Friedrich August (Pinneberg 1746 - Rantzau 1826), Schriftsteller und Jurist aus Dithmarscher Familie. Gymnasium in Hannover und Altona. Dr. jur. in Göttingen. Ernst Schimmelmann holte ihn nach Hellebæk als Leiter der Gewehrfabrik. 1771 Archivar am Finanzministerium. Dann Diplomat an deutschen Höfen und nach der Rückkehr 1776 Arbeit am Wirtschaftsministerium. Ging 1784 enttäuscht zurück nach Holstein. Vertreter der Aufklärungsphilosopie und Anhänger von Adam Smith in seinen wirtschaftstheoretischen Arbeiten. Er war liberal und antiaristokratisch und für einen aufgeklärten Absolutismus. Sein Einfluss auf das dänische und später das norddeutsche literarische und philosophische Aufklärungsmilieu muss groß gewesen sein. Goethe har ihn in Fausts Walpurgisnachtstraum karikiert. Wohnung Bredgade 54.

Hetsch, Gustav Friedrich (Stuttgart 1788 - Kopenhagen 1864), Architekt. Seit 1815 in Kopenhagen als Assistent von C.F. Hansen. Verheiratet mit nacheinander zwei Schwestern aus Holstein. Lehrer an der Kunstakademie. Professor der Stereometrie und Perspektive. Wohnte in Vandkunsten. Ursprünglich vom Pariser Empire beeinflusst, war er später ein großer Bewunderer des preußischen Stararchitekten Schinkel. Er liebte auch mittelalterliche Stilformen und verachtete das Barock. Hetsch kümmerte sich um die ästhetische Ausbildung der Bauhandwerker. Als Lehrer und Theoretiker war er noch bedeutender als in seiner praktischen Architektentätigkeit. Die katholische St. Ansgar-Kirche ist von ihm gebaut worden und ebenso die Synagoge. Er baute Dehns Palais in der Bredgade um. Mitdirektor der Sonntagschulen und künstlerischer Leiter der Kgl. Porzellanfabrik sowie Vorstandsmitglied der Polyteknisk Læreanstalt und von Industriforeningen.

Heuermann, Jürgen (Georg) (Oldesloe 1723 - Kopenhagen 1768), Chirurg. Studierte seit 1743 am Theatrum Anatomicum bei Simon Crüger, machte aber nie seine zweite Prüfung sondern war stattdessen Prosektor bei Professor de Buchwald an der Universität. 1749 wurde er Dr.med. mit einer Dissertation über die Anatomie der Zunge. Nach Mitschriften seiner Vorlesungen (auf Deutsch) wurden 1751 - 1755 vier Bände mit 3000 Seiten zur Physiologie und 1754 -1757 drei Bände mit 1800 Seiten zur Chirurgie herausgegeben. Heuermann dachte kritisch und arbeitete nach naturwissenschaftlichen Grundsätzen. Zahn- und Augenleiden gehörten auch zu seinen Themen. Noch 30 Jahre später wurden seine Bücher, die in Dänemark längst vergessen waren, an deutschen Universitäten benutzt. Weil er schlecht Latein sprach, konnte er nicht Professor werden. Darum wurde er erst leitender Feldchirurg in Holstein und dann Arzt an Krigshospitalets Ladegård und an Militærets Plejehjem mit der Zusatzaufgabe, die Sklaven auf der Zitadelle ärztlich zu betreuen. Seine Wohnung lag in der Krystalgade. 1765 nahm er seine Vorlesungstätigkeit wieder auf. In diesem Zusammenhang machte er auf eine Hornhautoperation aufmerksam, die erst viele Jahre später wieder entdeckt wurde. 1764 heiratete er die steinreiche Erbin des Vermögens der Gustmeier, Maria Dorothea, und er kaufte sich das vornehme Haus in der Nørregade 1. Sein plötzlicher Tod nach einer Infektion bei den Sklaven beendete seine Karriere. Der bedeutendste Physiologe, Chirurg und Ophthalmologe des 18. Jahrhunderts wurde in St. Petri begraben.

Hirsch, Julius (Mandel (Kreuznach) 1882 - USA 1961), Wirtschaftwissenschaftler. Studium in Bonn und Köln, wo er auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft forschte. Dann Staatssekretär im Reichsernährungsministerium. Gründer des Reichswirtschaftsrats. Schon vor der Machtübernahme versuchte man Hirsch bei einem Urlaub in Kopenhagen nach Dänemark zu holen und ab 1933 erhielt er eine Forschungs- und Lehrstelle an Handelshøjskolen und wurde 1936 ihr erster Professor überhaupt. Nach Aussagen seiner Studenten muss er ein begnadeter Pädagoge gewesen sein. Er und seine aus Berlin stammende Frau Edith lernten schnell fließend Dänisch. Ihre Wohnung lag in Duntzfeldts Allé in Hellerup. Schon einen Tag nach der Besetzung wurde Hirsch von der Wehrmacht ins Kastellgefängnis eingeliefert. Obwohl er drei Tage später wieder freigelassen wurde, war dieses Erlebnis ein so großer Schock für ihn, dass er 1941 in die USA emigrierte, um dort eine Professur zu übernehmen. Hier setzte er seine Forschungskarriere auf dem Gebiet der Preiskontrolle und Kriegswirtschaft fort.

Huth, Heinrich Wilhelm von (Costewitz 1717 - Kopenhagen 1806), General der Artillerie. Nach dem Studium der Mathematik in Leipzig brachte er es in deutschen Diensten bis zum Generalmajor als Militäringenieur und Festungsbauer. Er unterrichtete den jungen Landgrafen Carl von Hessen in Militärkunde und kam mit dem Prinzen als dessen Mitarbeiter 1765 nach Kopenhagen. Nach dem Tode Frederiks V. wurde er Generalleutnant und Prinz Carls rechte Hand. Hinzu kam die Stellung als Generaldirektor des staatlichen Bau- und Straßenwesens. In Verbindung mit der Leitung der Mobilisierung Norwegens führte er das umfangreiche Projekt der Landvermessung des Landes durch. Ähnliche Vermessungsarbeiten ließ er später auch in Dänemark und Holstein durchführen. Am Hof hatte er Probleme mit seinem Rivalen Generalkriegsdirektor Saint-Aubain. Struensee zog von Huth vor und so wurde er 1772 zum General befördert. Er reformierte in jahrelanger Arbeit das gesamte militärische Pionierwesen und die Artillerie bis hin zum Unterrichtsreglement der Kadetten. Nicht Geburt, sondern Fähigkeit sollten ihm zufolge zur Beförderung dienen. Er war in allen diesen Jahren der engste militärische Berater des Kronprinzen Frederik. 1796 geadelt und Ritter des Elefantenordens zog er sich von Hof und Politik zurück und lebte in seiner Dienstwohnung am Kongens Nytorv und auf seinem Gut Huthenborg bei Frederiksborg. "Ein kleines Huth, aber ein großer Kopf" soll König Friedrich von Preußen über ihn gesagt haben, den bescheidenen etwas cholerischen Sachsen, der eine große Authorität ausstrahlte. Dänisch lernte er nie. Seine Gattin war die Deutsche Charlotte Sophie Wagner. Der Kanonenfabrikant Classen bedachte die Kinder Huths mit einer jährlichen Pension. Er liegt mit seiner Frau in der Grabkapelle von St. Petri begraben. Nach seinem Tode am 6. Mai 1806 trugen alle Offiziere des Heeres 8 Tage lang Trauerflor. In Tøjhusmuseet befindet sich eine Büste von ihm.

Kauffmann, Fritz (Preußisch Stargard 1899 - Kopenhagen 1977), Bakteriologe. Medizinstudium in Greifswald und Hamburg. 1925 Forscher am Robert Koch-Institut in Berlin (Forschungsgebiet Salmonellen und Paratyphus). Nach seiner Entlassung 1933 erhielt er eine Stelle an Statens Seruminstitut. Hier machte er schnell Karriere und wurde Leiter des neugegründeten internationalen Salmonellenzentrums. Von 1943 bis 1945 arbeitete er an der Universität Lund und 1946 an der Columbia University in New York. Dann wirkte er 30 Jahre lang unermüdlich am Seruminstitut in Kopenhagen und pflegte Kontakte mit Forschern in der ganzen Welt. Nach Deutschland wollte er nicht wieder zurückkehren. Seine wissenschaftlichen Beiträge und seine Autobiographie sind auf Deutsch oder Englisch verfasst.

Klein, Ernst Wilhelm (Kaub (Nassau) 1830 - Sterbedatum unbekannt), Friseur, sozialdemokratischer Agitator und Redakteur. In den 1860er Jahren nach Kopenhagen gekommen, wurde er 1874 Vorsitzender der freien Gewerkschaften Dänemarks. Stiftete eine Familie in Kopenhagen durch Ehe mit Louise Wiedemann, Mitglied der deutschen Gemeinde. Wurde redaktioneller Mitarbeiter der Zeitschrift "Socialisten", ein Posten, den er u.a. wegen seiner Sprachkenntnisse erhielt. Er durchreiste ganz Dänemark, um die gewerkschaftlichen Kräfte zu organisieren. Die Bildung der Zentralgewerkschaft LO und der sozialdemokratischen Partei sah er voraus als Sekretär des Vorläufers dieser Partei und als Redakteur der Zeitung "Social-Demokraten". Seine Nachfolger beeinflusste er in Richtung Reformismus. Mit Pio stieß er nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis heftig zusammen und zog sich 1876 aus der Politik zurück. Die letzten drei Jahre vor seiner Rückkehr nach Deutschland (?) hatte er einen Friseursalon in der Nørre Voldgade 92.

Klopstock, Friedrich Gottlieb (Quedlinburg 1724 - Hamburg 1802), Dichter. Aus wohlhabender Familie. Pietistisch erzogen. Theologiestudium in Jena und Leipzig. In ganz Deutschland berühmt geworden duch sein Versepos "Der Messias" und darum 1751 durch Bernstorff nach Kopenhagen gekommen. Er widmete den ersten Teil König Frederik V. mit der Ode "Friederich der Fünfte". In der Stadt konnte er im Stadtpalais von Bernstorff und im Sommer in Lyngby den "Messias" ohne finanzielle Sorgen zu Ende bringen dank eines Stipendiums des Königs. Drei Jahre später verheiratete er sich mit Meta Moller aus Hamburg. Das Stipendium erhielt er bis zu seinem Tode und seine Witwe bekam sogar eine Pension von Dänemark. Dänisch lernte er nicht und hielt sich abseits von dänischen Kreisen. Dänische Motive kommen in einigen seiner Oden vor. Musikalische Anregungen erhielt er in Gerstenbergs Sommerhaus in Lyngby. Durch Gerstenberg wurd er auf die nordische Mythologie aufmerksam gemacht, die er dann als eine Schrulle in seinem Werk pflegte. Der Messias erschien in einer vom König finanzierten Prachtausgabe in drei Bänden 1755 - 1768. Als sein Förderer Bernstorff 1770 Dänemark verließ, tat Klopstock dies auch und blieb in dessen Nähe bei Hamburg. Als Epiker, Lyriker und Dramatiker Initiator des deutschen Irrationalismus und der Erlebnisdichtung. Dichtung war für ihn Sendung und religiöser und erhabener Sprachausdruck. Die Gefühlsheftigkeit seiner Poesie war bis dahin unbekannt in der nichtreligiösen Literatur. Entsprechend begeisternd war die Wirkung auf seine Zeitgenossen, auch in Dänemark. Ewald kann man sich ohne Klopstock kaum vorstellen. Noch in der Nacht vor seinem Tode las er im Messias. Aber weniger seine poetischen Formen als das Sendungsbewusstsein des modernen Dichters stammt von Klopstock. Sein Gönner Bernstorff konnte mit seiner Dichtung nicht viel anfangen, doch gefielen ihm die religiösen Gedichte. Begraben auf dem Friedhof der Christianskirche in Ottensen bei Altona.

Köpcke, Arthur (Addi) (Hamburg 1928 - Kopenhagen 1977), bildender Künstler. Verheiratete sich 1957 mit der Dänin Aase, genannt Tut, und eröffnete in ihrem Namen 1958, weil er als Ausländer keine Arbeitserlaubnis hatte, eine Galerie im Hinterhof der Læderstræde 17. Zwei Jahre später zog das Ehepaar mit seiner Galerie Köpcke in die Lille Kirkestræde 1 um und 1962 in die Nikolajkirche. In diesem Zeitraum schaffte es Addi Köpcke eine Gruppe von jungen Künstlern zu sammeln, die durch Ausstellungen, Happenings, Events und Publikationen eine für Dänemark ganz neue Sicht auf die Kunst vertraten, und zwar das was später unter der Bezeichnung Fluxus zusammengefasst worden ist. Bald war die Galerie Köpcke zu klein für eine Bewegung, die auch in Europa und in den USA florierte und internationale Künstler nach Kopenhagen und umgekehrt Köpcke und Dänen ins europäische Ausland brachte. Addi Köpckes, oder wie er sich auch schrieb, Købckes Kunst beruht auf dem Vordenker Kurt Schwitters. Sie war spielerisch, humorvoll, nicht für die Ewigkeit bestimmt, provozierend und prozessorientiert. Einfache Materialien und simple dramatische Aktionen, am liebsten auf die Zuschauer ausgerichtet, gaben der zeitgenössischen Kunst in Dänemark einen kräftigen Anstoß nach vorn. Trotz seines relativen frühen Todes erlebte er noch, dass er allgemein anerkannt wurde. Die führende Avantgardegalerie René Block in Berlin und New York widmete ihm Einzelausstellungen. Seit 1983 wird jährlich an Köpckes Geburtstag ein Legat des Køpcke-Gedächntnisfonds ausgeteilt.

Kratzenstein, Christian Gottlieb (getauft Wernigerode1723 - Frederiksberg 1795), 1746 Professor der Physik in Halle und der Mechanik in St. Petersburg, 1753 Prof. für Experimentalphysik und Medizin an der Universität Kopenhagen, zehn Jahre später Ordinarius als Nachfolger de Buchwalds und aktiv als Rektor (viermal) und Mitglied des Konsistoriums, wo er durchsetzte, dass Prüfungen öffentlich wurden und die ärztliche Fachprüfung und nicht die Rigorosa Voraussetzung für die Approbation wurden. Als er kam, hatte seine Fakultät 3-5 Studenten und war total unbedeutend. Seine Interessen waren sehr breit: Astronomie, Navigation, Luftfahrt, Meteorologie und Alchemie. Elektrizität als Heilmittel war eines seiner Themen, ferner Zeitmessungen und Zentrifugalkraft, auch Biologie in Linnés Tradition. Nach Heuermanns Tod dozierte er auch Physiologie. In St.Petersburg wurde eine von ihm erfundene Sprechmaschine prämiert. Die vielbesuchten Vorlesungen hielt er auf Latein oder Deutsch ab, erst ab 1780 auf Dänisch (mit starkem deutschen Akzent). Sein Hauptwerk "Vorlesungen über die Experimentalphysik" erschien in sechs Auflagen ab 1758 und wurde 1791 ins Dänische übersetzt. Kratzenstein bildete H.C. Ørsted aus, was vielleicht dessen Forschungsansatz erklärt. An der Universität galt er als streitbarer Herr. In erster Ehe verheiratet mit Anna Margrethe Hagen, Tochter des Apothekers der Kong Salomons Apotek. Er war auch Rosenkreuzer, übrigens zusammen mit Apotheker Cappel, der seinen chemisch-pharmazeutischen Vorlesungen folgte. Beide saßen einem Goldmacher auf. Als er nach Kopenhagen berufen wurde, ging ihm sein Ruf als Experimentator voraus und die Hausbesitzer fürchteten sich davor, ihn als Mieter aufzunehmen aus Angst davor, dass Blitz und Donner auf ihr Haus gelenkt würden. Seine Wohnung mit einem chemischen Labor hatte er bis 1757 in der Skindergade 15, dann bis 1765 in der Nørregade 13 (wo ihm Anatomievorlesungen untersagt wurden) und schließlich im Professorenhof Studiestræde 7. Beim Kopenhagener Brand von 1795 ging seine große Sammlung von Instrumenten und Manuskripten verloren. Er selber starb nur einen Monat nach dem Brande in Frederiksberg und wurde in St. Petri begraben. Wegen seiner privaten Vorlesungen war er ein wohlhabender Mann geworden. Einen Teil seines Vermögens vermachte er der Universität zwecks Errichtung einer Professur für Physik, welche dann H.C. Ørsted zu Gute kam.

Kuhlau, Friedrich (Uelzen 1786 - Kopenhagen 1832), Komponist geboren in einer Militärmusikerfamilie. Zog von Lüneburg über Hamburg und Schleswig-Holstein 1810 nach Kopenhagen. 1811 gab er sein erstes öfffentliches Konzert mit einer Weyse gewidmeten Klavierkomposition. Ernährte sich schlecht und recht als Konzertpianist und Klavierlehrer und schrieb für eine deutsche Musikzeitschrift. 1814 erhielt er die dänische Staatsbürgerschaft, im selben Jahr, in dem er mit seiner ersten Oper "Røverborgen" bekannt wurde. Mehrere Mitglieder seiner Familie zogen aus Deutschland zu ihm, um sich von ihm ernähren zu lassen, was ihm sehr schwer fiel. Er zog 1818 ins billigere Nørrebro um und dann nach Lyngby aufs Land. Dort brannte sein Haus aber drei Jahre später ab. 1828 wurde er Ehrenmitglied von Studenterforeningen und Professor mit Wohnung in der Vingaardstræde 17. Sieben Auslandsreisen, vor allem nach Deutschland und Österreich, wo er Beethoven begegnete, erweiterten seine musikalischen Erfahrungen. Alkohol und Tuberkulose verkürzten sein Leben und er starb im Haus seiner Schwester in Nyhavn 23 und wurde auf dem Assistens Kirkegård in der St. Petri-Abteilung begraben. Als Lehrer inspirierte er mehrere Komponisten der nachfolgenden Generation. Mit Ausnahme von Kirchenmusik hat Kuhlau alle Sparten der Musik erprobt, besonders Klaviermusik und über 100 meist deutsche Lieder, u.a. Schillers "An die Freude" komponiert. Fünf Opern (besonders die von Mozarts "Zauberflöte" beeinflusste "Lulu"von 1824) und drei Schauspiele kamen hinzu. Geblieben ist "Elverhøi" mit der dänischen Königshymne. Obwohl Deutscher traf er genau den dänischen Volkston. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Kunzen, Friedrich Ludwig Æmilius (Lübeck 1761 - Kopenhagen 1817), Komponist und Sohn des Organisten der Marienkirche in Lübeck. Ohne gründlichen Unterricht, aber früh entwickelt. C.F. Cramer vermittelte ihn von Kiel aus an J.A.P. Schulz. in Kopenhagen, wo er seit 1784 als Pianist und Klavierlehrer arbeitete. Schulz als kgl. Kapellmeister förderte ihn nach Kräften. Mit Baggesen als Textverfasser, der hierfür Wielands "Oberon" umdichtete, komponierte er die Oper "Holger Danske", die zu großen deutsch-dänischen Spannungen führte und nur sechsmal über die Bühne ging. Deswegen verließ Kuntzen 1789 Kopenhagen und ging nach Berlin. Schulz empfahl ihn bei seiner Pensionierung als Nachfolger. Er kam 1795 zurück, trat die Stelle an und warb von da an heftig für eine Rezeption Mozarts in Kopenhagen, u.a. mit Singspielen. Seine Gattin war Italienerin, Johanna Zuccharini. Seine letzten Jahre lebte Kunzen als verbitterter Mann, wohl auch weil sein Rivale Kuhlau ihn in der Öffentlichkeit übertrumpfte. Er zog elfmal um in Kopenhagen und starb in Gammel Strand 44.

Lahde, Gerhard Ludwig (Bremen 1765 - Kopenhagen 1833), Zeichner, Verleger und Kupferstecher. Ab 1787 studierte er an der Kunstkademie bei Clemens. 1799 Hofkupferstecher. Künstlerisch war er nicht besonders begabt, aber seine vielen Stiche sind kulturhistorisch sehr wertvoll. Werkstatt Pilestræde 32, später Gothersgade 97. In erster Ehe mit einer Deutschen, in zweiter Ehe mit einer Dänin verheiratet. Eckersberg wohnte bei ihm in der Gothersgade ab 1806. Er hatte einen Bilderbuchverlag. Seine Töchter kolorierten die Bücher ihres Vaters von Hand. Auf Holmens Kirkegård steht sein mit Wiedewelt geschaffenes Denkmal für die Gefallenen der Schlacht auf der Reede 1801.

Lehmann, Wilhelm Christian Gottlieb (1775 – 1856), Holsteiner Beamter in der Wirtschaftsverwaltung. Pionier auf dem Gebiete der Industrialisierung Dänemarks. Die Familie wohnte in Ny Kongensgade 6-8. Obwohl dänisch verheiratet, war seine Familie deutsch und verkehrte im Umfeld der St. Petri-Gemeinde. Aber auch Øhlenschlæger und H.C. Ørsted waren bei seiner Familie zu Gast. In seinem Hause wurde zum ersten Mal in Dänemark die elsässische Sitte des erleuchteten und geschmückten Weihnachtsbaums praktiziert. Seinen hochbegabten und später berühmten Sohn Orla schickte er auf die deutsche Realschule und dann auf die Borgerdydschule.

Lemmerz, Christian (Karlsruhe 1959), Bildhauer und Grafiker. Ausgebildet in Carrara und Paris, wo ihn Erik A. Frandsen überredete, nach Kopenhagen zu ziehen. Hier traf er Leute wie Bjørn Nørgaard und Mikeal Kvium, mit denen er zusammenarbeitete. Von 1982 bis 1984 hieß seine Gruppe Værkstedet Værst. 1984 stellte er zusammen mit Frandsen in Tranegården aus. Er ist sehr produktiv mit zahlreichen Einzel- und Gruppenaustellungen nicht nur in Dänemark. Grafik, Malerei, Installationen, Filme, Theaterstücke, Performances, alle Genres sind sein Arbeitsfeld. 1987 bekam er das Arthur Købcke-Mindelegat. und 1998 die Eckersberg Medaille. Auf der Biennale in São Paulo vertrat er 1996 Dänemark. Seine Themen sind der Zyklus des Lebens, Verfall und Tod, Verwandlung und Auflösung. Seine Materialien sind unbegrenzt: Schweineaugen, Holzwolle, Spritzen, Heftpflaster, Öfen, Aquarien, Bouillonwürfel.

Massmann, Nicolaus Hinrich (Heiligenhafen 1766 - Kopenhagen 1816), Pfarrer an der Deutschen Friedrichskirche und Gründer der Sonntagsschulen. Verheiratet mit einer Holsteinerin. Nach dem Abitur in Kiel 1785 cand.theol. und 1789 Hauslehrer bei A.P. Bernstorff, der ihm 1792 die Pfarrstelle an der deutschen Kirche in Christianshavn besorgte. Seine Wohnung stand in Christianshavns Lille Kongensgade 103 (von B&W abgerissen). Ab 1800 baute er den gratis Unterricht im Rechnen und Schreiben für junge Handwerker auf, eine Einrichtung, die unmittelbaren Erfolg hatte und oft kopiert wurde. Massmann schrieb ein Liederbuch für Handwerker und entwickelte Prämien in Form von Medaillen. Bis 1920 gab es die Sonntagsschulen, bis sie vom Unterricht der Technischen Gesellschaft abgelöst wurden. Noch 1981 wurde ein Stipendium mit dem Namen Massmanns errichtet. Sein Grabstein auf dem Friedhof der Christianskirche ist nicht mehr auffindbar.

Moltke, Adam Gottlob (Walkendorf 1691 - Bregentved 1792), Gutsbesitzer, Hofmarschall. Aus einer deutsch-dänischen Adelsfamilie stammend. Ohne Ausbildung, ohne Auslandsreisen und Herrnhutischer Pietist, begann er 1722 als Hofpage und wurde dann Page des Kronprinzen Frederik. Mit ihm verband ihn eine lebenslange Freundschaft. 1743 wurde er Hofmarschall und war bis zum Tode seines Herrschers der mächtigste Mann der Doppelmonarchie, weil Frederik V. kaum fähig war, das komplizierte Staatsgeschäft zu überschauen und absolutes Vertrauen zu seinem Freund hatte. Moltke war zwei Mal verheiratet wie der König, sie sprachen und schrieben Deutsch miteinander. Er gründete 1754 die Kunstakademie und war bis zu seinem Tode ihr Präsident, er war Mitbegründer des Frederiks Hospital 1756, er war Mitglied er Steuerdirektion 1762 und ihr Vorsitzender 1768, Mitglied des Kabinetts 1763, Präsident der Asiatischen Kompanie und der Westindisch-Guinesischen Kompanie, bis er 1770 von Struensee aus den meisten Ämtern entlassen wurde. 1750 wurde er zum Grafen ernannt. Vom König bekam er das Gut Bregentved geschenkt und hatte Güter in allen Landesteilen als einer der größten Gutsbesitzer Dänemarks. Er trug zur Gründung von Frederikstaden bei und sein dortiges Palais (jetzt Christian VIIs Palæ) war das eleganteste Schloss der Stadt mit einer vornehmen Kunstsammlung. Auf seinen Gütern führte er Reformen durch, sowohl sozialpolitische als agrartechnische. Als Politiker war Moltke konservativ und vorsichtig, oft mit J.H.E. Bernstorff uneinig. Das Gesundheitswesen von Kopenhagen reformierte er und gründete die Zeitschrift Oekonomisk Magazin. Er war es auch, der die sog. Kartoffeldeutschen nach Jütland holte. Einer seiner Söhne, Joachim Godske Moltke, wurde Ministerpräsident, sein Enkel Adam Wilhelm ebenfalls. Relief im Kunstindustrimuseet. Eine Straße in Frederiksberg ist nach ihm benannt

Müller jr., Frantz Henrich (17.11.1732 in Christianshavn - Hillerød 1820), getauft in St. Petri, der Gemeinde seiner Eltern, in erster Ehe mit einer Deutschen verheiratet, ausgebildet in Mineralologie und Metallurgie. Apothekerlehre an der Kong Salomons Apotek in der Østergade, 1760 kgl. Münzwardein. Drogeriebetrieb und Wohnung am Amagertorv 3. Produktion von Schokolade, Handel in Lacken und Wasserfarben. Vorlesungen zur Metallurgie, 1773 Pächter der Waysenhusapotek, richtete die Frederikshospitals Apotek ein. 1786 Apotheker der Christianshavns Apotek. 1774 verkaufte er Aktien für 20.000 Reichstaler und kaufte ein heute verschwundenes Haus in der Købmagergade gegenüber der Einmündung der Skindergade und gründete hier die Kgl. Porcelænsfabrik, die 1784 von der Krone übernommen wurde und die Müller zum leitenden Inspektor machte. Vorher eigene Werkstatt in der Studiestræde mit Öfen und Bornholmer Porzellanerde, wo er die ersten Porzellanprodukte herstellte. In seiner Amtszeit arbeitete der Porzellanmaler Johann Christoph Bayer am berühmten Flora Danica Service (1790 - 1802) nach Zeichnungen Oeders. Sein Nachfolger wurde 1801 der Apotheker der Løveapotek Professor Joh. Georg Ludwig Manthey. Müller verließ die Stadt und zog um 1809 nach Hillerød, besuchte aber danach noch oft seinen Kollegen in der Købmagergade, um nach dem Rechten zu sehen. Er starb 1820 in Hillerød mit 87 Jahren.

Münter, Balthasar (Lübeck 1735 - Kopenhagen 1793), Pfarrer. Verheiratet mit Magdalena von Wangenheim, Vater von Friederike und Friederich M. Stammte aus einer wohlhabenden Lübecker Kaufmannsfamilie, die plötzlich verarmte. 1765 wurde er aus Sachsen nach Kopenhagen berufen als 2. Pfarrer an der deutschen St. Petri-Gemeinde. Er wurde dann der beliebteste Prediger der Stadt und verkehrte in allen prominenten deutschen Kreisen. Sein Pfarrhof in der Sankt Peders Stræde 6, ab 1775 in der Nørregade 21, war Schauplatz wichtiger Begegnungen mit Gästen aus Deutschland und der deutschen Minderheit in Kopenhagen. Auch als Organisator leistete Münter viel. Seine Familie lenkte er als freundlicher Patriarch. In der Freimaurerloge hatte er einen hohen Grad inne. Gegen Struensee arbeitete er ganz offen. Nach dessen Hinrichtung veröffentlichte er das Buch über die Bekehrung des Delinquenten. Es wurde als Bestseller in fünf Sprachen übersetzt. Sein Grab mit einem Relief von Wiedewelt befindet sich im St. Petri-Kräutergarten.

Münter, Friederich (Gotha 1761 - Kopenhagen 1830). Theologe und Archäologe. Sohn von Pastor Balthasar Münter und Bruder Friederike Bruns. Cand. theol. Verheiratet mit einer Lübecker Bürgermeisterstochter 1781. Studienreise durch Europa. Dr.phil. in Fulda. außerord. Prof. 1781, ordentl. Prof. 1790. Zweimal Rektor und 1808 Bischof von Seeland. Mitglied der Großen Schulkommission. Stifter des Pastoralseminars und der Danske Bibelselskab. Dank seiner Inspiration durch die Gründung des Oldsagskommission war er indirekt Urheber des dänischen Nationalmuseums. Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften und von Det danske Selskab. Interessierte sich besonders für dänische Frühgeschichte. Schrieb die erste Ewald-Biographie auf Deutsch und übersetzte Ewalds "Balders Død" ins Deutsche. Er war äußerst sprachbegabt und konnte sogar Englisch. 13 Jahre Meister des Stuhls in der Freimaurerloge « Friedrich zur gekrönten Hoffnung »". Seine Tätigkeit als Freimaurer vermittelte ihm Kontakte zum europäischen Ausland. Münter hinterließ eine große Münzsammlung. Seine ägyptische Sammlung ging an die Ny Carlsberg Glyptotek.

Niebuhr, Carsten (Lüdingworth 1733 - Meldorf 1815). Forschungsreisender. Hielt sich 1760 zur Vorbereitung für die von Bernstoff geplante Arabienexpedition in Kopenhagen auf, deren Kassenwart er sein sollte. 1767 war er wieder zurück und wurde zum Pionierkapitän befördert und ab 1773 mit Dienstwohnung in Prinsens Palæ, Frederiksholms Kanal 12. Bald wurde er Mitglied gelehrter Gesellschaften und begann verschiedene Publikationen. 1778 zog er sich als Beamter nach Dithmarschen zurück.

Oeder, Georg Christian von (Ansbach 1728 - Oldenburg 1791). Botaniker. 1746 bis 1749 Studium der Medizin und Botanik in Göttingen. J.H.E. Bernstoff verschaffte ihm eine Professur der Botanik und Wirtschaftswissenschaft in Kopenhagen gegen den Willen der Universität, die auch seine Habilitierung verhinderte. Darum wurde er königlicher Professor mit dem Auftrag, einen botanischen Garten anzulegen als Informationszentrum für den praktischen Pflanzenanbau. Dazu sollte er einen botanischen Atlas " Flora Danica " herausgeben mit allen Pflanzen Dänemarks, Norwegens und Islands. Diese Arbeit begann 1761. Bis 1771 erschienen 10 Hefte mit 600 Tafeln. Die Begleitbücher dazu wurden nie fertig. Oeder verpflichtete die Nürnberger Martin und Michael Rössler für die Ausarbeitung der Bidltafeln. Auf Reisen ins Ausland studierte er andere botanische Gärten und 1763 eröffnete er den neuen Garten am Rande von Frederiksstaden. Seine auf von Haller basierenden botanischen Theorien, u.a. eine andere Nomenklatur als Linnés, stießen in Fachkreisen auf heftigen Widerstand. Man entzog ihm darum die Aufsicht über den Garten, doch durfte er an " Flora Danica " weiterarbeiten. Daraufhin wechselte Oeder sein Arbeitsfeld und schrieb, von höherer Seite ermuntert, anonym eine Streitschrift über die Bauernfreiheit. Damit begann er die Diskussion über die notwendigen Agrarreformen in Dänemark. Volkszählungsmethoden und Rentenversicherungsmathematik waren Themen, die er dann anschlug. Er hatte eine Professorenwohnung im Frederiks Hospital. Struensees Fall überlebte er als Deutscher nicht und musste sich mit einer Richterstelle in Oldenburg begnügen, obwohl er gern als Beamter nach Norwegen gegangen wäre. Aber noch in Deutschland bezog er Stellung zu dänischen Reformfragen.

Pancke, Günther (geb. 1899 gest. -), SS-Obergruppenführer und General der Polizei. Im Oktober 1943 kam er ins Land als "Höherer SS- und Polizeiführer Dänemark", im dänischen Slang "Den højere Pancke". Er war der drittmächtigste Deutsche in Dänemark bis zur Kapitulation und hauptverantwortlich für den Gegenterror. Zu Best, von Hanneken und Bovensiepen hatte er kein gutes Verhältnis. Das Hipokorps und das Schalburgkorps waren seine Werkzeuge. Auf Hannekens Wunsch und gegen den Willen Bests organisierte er die Deportation der Polizei nach Deutschland. Noch am 3. Mai 1945 wurde er von Best abgesetzt.

Preisler, Johann Martin (Nürnberg 1715 - Kopenhagen 1794), Kupferstecher. Vier seiner Geschwister waren auch Graphiker. Vater des Kupferstechers Johann Georg und des Schauspielers Joachim Daniel P. Er erhielt eine perfekte Ausbildung bei den besten Stechern in Paris, u.a. Wille. Bernstorff entdeckte ihn in Paris und schickte ihn nach Kopenhagen, wo er 1744 Hofkupferstecher wurde. Mit seiner raffinierten französischen Technik stach er vor allem Herrscher- und Adelsportäts. Trotz seiner manuellen Tüchtigkeit ließ die Qualität in den 70er Jahren markant nach. Schließlich war er nur noch Dozent an der Akademie, eine Stelle, die er von ihrer Gründung an innehatte. Dort wohnte er auch mit seiner Familie.Ungefähr 100 Arbeiten von ihm sind bewahrt. Sein Sohn und Nachfolger hatte weniger Erfolg als er. Begraben mit anderen Mitgliedern seiner Familie in der Deutschen Friedrichskirche. Sein Haus in Lyngby steht noch heute (Musikbibliothek).

Raloff, Karl (Altona 1899 - 1976), Journalist, sozialdemokratischer Parteifunktionär. Ab 1922 Verbindungen zur dänischen Sozialdemokratie und befreundet mit Hans Hedtoft. Flüchtete 1933 nach Kopenhagen und verlor 1938 seine deutsche Staatsbürgerschaft. Er war der wichtigste Verbindungsmann zwischen der deutschen und der dänischen Sozialdemokratie. April 1940 Schweden. 1946 Leiter der Kulturabteilung des Flüchtlingslagers Kløvermarken. 1948 Pressekorrespondent der späteren Agentur dpa. 1952 Chef der Presseabteilung an der deutschen Botschaft. Nach seiner Pensionierung 1965 blieb er mit seiner Familie in Kopenhagen wohnen. Gedenktafel in der Botschaft. Autobiografie: Ein bewegtes Leben. Hannover 1995.

Reunert, Willy (Düsseldorf 1905 - Kopenhagen 1971), Radiojournalist. Als Elektrotechniker ausgebildet. Danach Studium der Volkswirtschaft in Berlin. Floh aus politischen Gründen vor den Nazis 1935 nach Kopenhagen. Begann 1947 mit Hörspielexperimenten an Danmarks Radio. 1948 Redakteur an DR und dänischer Staatsbürger. Seine Themen waren soziologische Features über Lebensstandard und Steuerprobleme.Er ist der Vater der dänischen Radiomontage. Wohnungen Frydendalsvej 17 und bis zu seinem Tode Jagtvej 11.

Reventlow, Christian Ditlev (Kopenhagen 1748 - Christianssæde 1827), Minister. In einer deutschsprachigen Gutsbesitzerfamilie aufgewachsen. Sein Vater trug die gleichen Namen wie er. Bruder von Johann Ludwig R., dem Schulreformer. Sie wuchsen auf Lolland auf und gingen in Altona aufs Gymnasium, bis sie 1764 auf die Sorø Akademi kamen. Christian Ditlev studierte an der Universität Leipzig und unternahm danach die typische Grand Tour durch Europa, die zwei Jahre dauerte. 1773 kam er nach Kopenhagen, wurde Voluntär im Wirtschaftsministerium und bekam danach verschiedene Verwaltungsämter. 1784 wurde er 36-jährig Finanzminister und betrieb von da an die bislang stark diskutierten Bauernreformen. Mit Sinn für Publicity kam er der öffentlichen Meinung in Fragen der Leibeigenschaft, der Pacht und des Frondiensts entgegen, ohne die Standesgenossen vor den Kopf zu stoßen. Die Kleine Landwirtschafts-kommission nahm 1784 ihre Arbeit auf, die Große 1786. Dann bremste ihn A.P. Bernstorff und stellte ihn bis 1790 kalt. Da waren die wichtigsten Reformen in Kraft. Reventlow hatte ein weitverzweigtes Arbeitsfeld, zum Beispiel Volksschulen, Lehrerseminare und Forstwirtschaft. Er muss ein immens professioneller Politiker gewesen sein, der sich fast 40 Jahre an der Macht hielt. Sein Verdienst ist die durchgreifende Modernisierung Dänemark-Norwegens. Sein Familienleben im Dehns Palæ, Bredgade 54, ab 1784 in der Amaliegade 12, war vorbildlich, seine Gesundheit eisern. Er interessierte sich für Physik, Astronomie, Chemie, besonders für Forstwirtschaft, aber auch für Kunst und las gern im Alten Testament. Eine Straße in Kopenhagen ist nach ihm benannt.
 
Rowold, Karl (Oker 1911 - 1993), sozialdemokratischer Parteifunktionär, Diplomat.1933 Flucht nach Kopenhagen.Bis 1943 auf Bornholm, dann über Kopenhagen nach Schweden. Perfekte Dänischkenntnisse. Nach der deutschen Kapitulation organisierte er die "SPD - Landesgruppe Dänemark". Mitbegründer des Internationalen Arbeitskreises Haus Sonnenberg in seiner alten Heimat im Harz. Organisierte die Flüchtlingsverwaltung und redigierte den Abschlussbericht 1949. Von 1951 bis 1954 Sozial- und Presseattaché am neuen westdeutschen Generalkonsulat und dann an der Botschaft. Anschließend Karriere an Botschaften in Skandinavien.Nach seiner Pensionierung ließ er sich mit seiner Frau in Kopenhagen nieder. Vorstandsmitglied der Dansk-Tysk Selskab. Gedenktafel in der Botschaft.
 
Schäffer, Dietrich (Keyla (Thüringen) Geburtsdatum unbekannt - gestorben nach 1778), Hoftischlermeister. Mit der Dänin Wolber Bertram 1733 verheiratet. Ab etwa 1730 in Kopenhagen und auf Veranlassung von König Christian VI. zum Mitglied der Kopenhagener Tischlerzunft ernannt. Sein Meisterstück, ein üppiger Kabinettsschrank, steht heute im Schloss Rosenborg. Die beiden Vitrinen mit den königlichen Wachsporträts in Rosenborg stammen von ihm. Bewahrt ist auch die "Pfannekuchenküche der Prinzessinnen" von 1736 auf Schloss Frederiksberg. Schäffer war maßgeblich beteiligt an der Inneneinrichtung des neuen Schlosses Christiansborg. Modelle von Christiansborg und der vier Amalienborgpalais sind verloren gegangen. Außer dem Stadthaus Magstræde 6 besaß Dietrich (Diederich) Schäffer auch den Schäffergaarden in Jægersborg, heute Sitz des norwegischen Kulturinstituts. Die Vertäfelung der Beletage in Magstræde 6 befindet sich heute im Nationalmuseum.

Schimmelmann, Heinrich Carl (Demmin 1724 - Kopenhagen 1782, begraben in Hamburg-Wandsbek).Graf, Großkaufmann, Finanzminister. Er gründete sein Vermögen als Heereslieferant Friedrichs des Großen von Preußen und Generalpächter der sächsischen Zölle. Er war sowohl Kriegsspekulant als auch Parvenu, aber eben auch ein Finanzgenie. Man sagte, dass alles was er anfasste, zu Gold wurde. Unter den europäischen Höfen, die ihn an sich binden wollten, siegte der dänische Hof. In Ahrensburg und Wandsbek hatte er schon Herrensitze eingerichtet, ehe er 1761 in Kopenhagen das Berckentinsche Palais (Odd Fellow-Palæ) kaufte und umbaute. Dänemark war für ihn attraktiv wegen seiner Tropenkolonien. Als neuer Finanzminister war er erfinderisch im Auftreiben von Finanzmitteln. Seine Politik war nicht merkantilistisch, er setzte sich auch für landwirtschaftliche Reformen ein. Der dänische Walfang reizte ihn besonders als Investitionsobjekt. Schimmelmann wurde noch reicher durch den Kauf der königlichen Zuckerplantagen in Westindien und durch die Übernahme der staatlichen Zuckerfabrik und der Gewehrfabrik. Zudem war er Großaktionär der Asiatischen und der Westindisch-Guinesischen Kompanie. Seine Aktivitäten im In- und Ausland hingen immer zusammen, so dass Produktion, Handel und Kapitalbeschaffung bei ihm zusammen liefen. Als Politiker und als Unternehmer, privat und staatlich konnte er sozusagen mit sich selber verhandeln. Trotz Loyalität gegen den Staat war er auf eigenen Vorteil aus. Selbst Struensee behielt ihn im Amt. Fünf seiner Kinder brachte er in Adelsfamilien unter. Er wurde Ritter des Elefantenordens, Graf und Mitglied der holsteinischen Ritterschaft durch den Besitz von Ahrensburg, wo er normalerweise wohnte. Nur im Winter hielt sich die Familie Schimmelmann in der Bredgade auf.

Schimmelmann, Heinrich Ernst (Dresden 1747 - Kopenhagen 1831), Graf , Unternehmer, Finanzminister. Sohn von Heinrich Sch. Verheiratet mit Reichsgräfin Emilie Rantzau in Ahrensburg, in zweiter Ehe mit Charlotte Schubart. Bruder von Julie Sch., verh. Reventlow. Von seinem Vater zum Nachfolger als Finanzminister bestimmt. Auf eine große europäische Studienreise geschickt. wo er alle aktuellen Philosophen und Schriftstller seiner Zeit las. 1767 kam er zurück, lernte Dänisch und begann als Verwalter der Gewehrfabrik seines Vaters in Hellebæk. Dann kamen verschiedene Posten in der Finanz- und Wirtschaftsverwaltung. Obwohl er finanziellen und wirtschaftlichen Verstand besaß, fehlte ihm der Machtwillen seines Vaters, um sich durchzusetzen. 1784 wurde er Finanzminister. Er profitierte aber in seiner Amtszeit von der Neutralitätspolitik des Staates durch seinen privaten Kolonialhandel. Er wandte sich gegen inflationäre Politik und wünschte für das Land eine unabhängige Nationalbank. Eine Zollreform, eine Auslandskonsulatsverfassung und Liberalisierungen sind sein Werk. Mit A.P. Bernstorff und Chr.D. Reventlow kam er gut aus. Erst nach Bernstoffs Tod und der Machtübernahme des Kronprinzen brach seine Politik zusammen. Den Staatsbankrott hat die öffentliche Meinung ihm angelastet und nicht dem König, und 1813 trat er zurück Aber als Außenminister bekam er 1824 - 1831 ein Comeback. Mit den von seinem Vater geerbten Plantagen und der Zuckerfabrik auf Christianshavn, mit der Gewehrfabrik und einer Papierfabrik sowie einer Kupfermühle war er der reichste Bürger Dänemarks. Selber Besitzer von Sklaven schaffte er den Sklavenhandel 1792 ab, doch nicht die Sklaverei. Er war ein großzügiger Mäzen und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Nach dem Tode seiner Frau ging es bergab mit ihm, auch wirtschaftlich. Seine Ehen waren kinderlos. Als Mensch war er zuvorkommend, pragmatisch und freundlich. Als Politiker waren Kompromisse natürlich für ihn, z. B. gegenüber den Flensburger und Kopenhagener Seehandelshäusern. Begraben in der St. Petri-Grabkapelle. Eine Straße in Gentofte ist nach ihm benannt

Schlegel, Johann Elias (Meißen 1719 - Sorø 1749) Literat. Kam 1743 als Sekretär des sächsischen Gesandten nach Kopenhagen und lebte sich schnell in dänische Verhältnisse ein. 1745 - 1746 gab er die aufsehenerregende Zeitschrift « Der Fremde » heraus, mit der er sich als Äthetiker, Kritiker und Dichter in Deutschland und Dänemark einen Namen machte. Die neuen Theorien der Aufklärung, u.a. für ein deutsch- bzw. dänischsprachiges Theater wurden von Schlegel der Öffentlichkeit vorgestellt. Er verfassste auch eine deutschsprachige Tragödie "Canut" über ein dänisches historisches Thema. Zwei Jahre bis zu seinem frühen Tod unterrichtete er als Professor an Sorø Akademi.

Schlegel, Johann Heinrich (Meißen 1726 - Kopenhagen 1780), Bruder von J.E.S. Historiker. Seit 1748 in Dänemark. Prof. der Geschichte an der Universität und der Geometrie an der Kunstakademie. 1776 wurde er Ordinarius für Geschichte und 1780 Rektor. Als erster machte er aufmerksam auf die Edda und die nordische Mythologie. Eines seiner Hauptwerke war die mit nicht sehr guten Kupferstichen von Preisler ausgestattete Folioausgabe der « Geschichte der Könige von Dänemark aus dem Oldenburgischen Hause ». Auf Dänisch schrieb er ein kleines Buch, wo er die dänische Sprache mit der deutschen und mit der französischen verglich. Ewald wusste er sehr zu schätzen. Schlegel war Sekretär der Gesellschaft der Wissenschaften und Erster Bibliothekar der Königlichen Bibliothek. Er schlug eine Reform des Bibliothekswesens vor, die aber erst nach seinem Tode realisiert wurde. Seinen Professorenhof hatte er in der Studiestræde 13. Er wurde in St. Petri begraben.

Schulin, Johann Sigismund (Prichsenstadt 1694 - Kopenhagen 1750), Außenminister. Pfarrerssohn. Kam mit den Brüdern der Kronprinzessin nach Kopenhagen und begann hier als Postzensor. Dann war er Sekretär in der Deutschen Kanzlei und zwei Jahre später 1735 Außenminister und Mitglied der Leitung des Handels- und Industrieministeriums. Ausgangspunkt seines Einflusses war seine enge Beziehung zum ebenfalls pietistischen Königspaar. Seine Politik war vorsichtig und nahm Bernstorffs Neutralitätspolitik voraus. Mit diplomatischen und militärischen Mitteln, mit Spionage und mit Bestechungen bemühte er sich um das europäische Gleichgewicht. Seine wirtschaftlichen Ziele waren merkantilistisch. Stadtwohnung in der Østergade. 1739 schenkte ihm Christian VI. das Gut Frederiksdal in Lyngby, das die Familie Sch. noch heute besitzt. 1750 kurz vor seinem Tod wurde er Lehnsgraf. Er empfahl J.H.E. Bernstorff als seinen Nachfolger. Begraben in St. Petri.

Schulz. Johann Abraham Peter (Lüneburg 1747 - Schwedt 1800), Komponist, Dirigent und Musikschriftsteller in Berlin, der mit seinen vertonten Volksliedern in Dänemark bekannt wurde und 1787 als Theaterkapellmeister nach Kopenhagen berufen wurde. Er verkehrte bei Schimmelmann, Bernstorff und Reventlow, lernte aber durch seine Aufgeschlossenheit schnell die dänische Mentalität kennen und betätigte sich auch als Musikpädagoge. Seine Schauspiele mit dem deutschen Liedton entwickelte er zu der eigentlich dänischen Theatermusik (folkelig). Auch seine sentimental-religiösen Kompositionen setzten sich durch. Beim Versuch, das Musikarchiv aus dem brennenden Schloss zu retten, zog er sich eine lebensgefährliche Lungenentzündung zu und ließ sich pensionieren, um 1796 nach Deutschland zurückzugehen. Trotz der kurzen Zeit in Dänemark hat Schulz großen Einfluss auf die dänische Liedtradition gehabt. Seine letzte Wohnung hatte er in der Amaliegade, Ecke Ny Toldbodvej.

Spengler, Lorenz (Schaffhausen 1720 - Kopenhagen 1807), Kunstdreher, kgl. Kunstkammerverwalter. Ging bei Tauber in Regensburg in die Lehre und dann nach Bern und London. Von hier kam er nach Kopenhagen, weil da bessere Verdienstaussichten am Hofe bestanden. 1745 Hofkunstdreher mit Werkstatt auf Christiansborg, wo er die Königsfamilie und später die beiden hessischen Prinzen im Drechseln unterrichtete. Arbeiten von ihm und der königlichen Familie sind in Rosenborg zu sehen. Er war auch Mechaniker, Elektriker und Naturforscher. Selbst reformiert heiratete er ein junges Mädchen der deutschref. Gemeinde. 1787 Mitglied von Videnskabernes Selskab. Er heilte Leute von Gicht und Lähmungen mit Hilfe der Elektrizität. Oft musste er abends Patienten nach Hause schicken, weil der Andrang zu groß war. Auch künstliche Zähne stellte er her. Sein Sohn setzte die Arbeit als Kunstkammerverwalter fort. L. S. hinterließ bei seinem Tode eine große Sammlung von Kunsthandwerk, Gemälden und Grafik. Begraben auf dem reformierten Friedhof.

Struensee, Johann Friedrich (Halle 1737 -Kopenhagen 1772), Arzt und Minister. Sohn des späteren Generalsuperintendenten für Schleswig-Holstein Adam S., Altona. Pietistisch erzogen, aber von modernem aufklärerischem Denken geprägt. Dr. med. in Halle. Amtsarzt in Altona. Reisearzt Christians VII. 1768 - 69. Dann Leibarzt mit Wohnsitz in Prinsens Palæ. Genoss das Vertrauen des geisteskranken Königs und gewann das Vertrauen der englisch-deutschen Königin. Darum zog er um ins Schloss in die Nähe ihrer Gemächer. Um die Erziehung des Kronprinzen nach modernen pädagogischen Theorien kümmerte er sich auch. Er verschaffte seinem Freund E. Brandt die Stelle als Vorleser des Königs. Am 4.9.1770 verübte Struensee seinen berühmten Staatstreich und regierte von da ab wie ein absolutistischer Monarch, doch formal im Auftrag des Christians VII. 1771 ließ er sich selber zum Grafen ernennen. Er wurde schnell unpopulär in dänischen und deutschen Kreisen, u.a. weil er nicht Dänisch beherrschte. Aufhebung der Zensur, Pockenimpfungen, öffentliche Sparsamkeit, Effektivität der Verwaltung, liberale Wirtschaftspolitik, Gleichheit vor dem Gesetz, Abschaffung der Folter, Habeas Corpus-Prinzip, Abschaffung von kirchlichen Feiertagen: zirka 1800 Erlasse verließen sein Büro bis zu seiner Verhaftung am 17.1.1772, in Gang gesetzt durch eine Verschwörung der Königinwitwe Juliane Marie, des Erbprinzen Frederik und Ove Høgh-Guldberg. Die Anklage lautete auf Hochverrat und sexuelle Beziehungen zur Königin. Das zweite gestand Struensee, das erste nicht. Nach drei Monaten Haft in der Zitadelle wurde er auf Øster Fælled hingerichtet. Sein Beichtvater war Pastor Münter von St. Petri. Seine Leiche wurde auf dem Galgenberg am Amerikavej ausgestellt. Die Reste seines Skeletts liegen wahrscheinlich in St. Petri. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Sturz, Helferich Peter (Darmstadt 1736 - Bremen 1779), Schriftsteller, Generalpostdirektor. Nach Jurastdium in Jena, Göttingen und Gießen kam er als Sekretär des Kanzlers von Glückstadt auf dänisches Territorium und wurde 1764 von Bernstorff als dessen Privatsekretär in die Hauptstadt geholt und ein Jahr später zum Sekretär an der Deutschen Kanzlei ernannt. 1769 wurde er Chef des dänisch-norwegischen Postwesens. Sturz war ein beliebter Gast beim deutschen Kreis um Klopstock. Er verließ nach Struensees Staatsstreich nicht Dänemark, sondern machte sich als künstlerischer Berater der Königin nützlich. Er beteiligte sich an einer Reform der Kunstakademie und der Post, verlor aber nach Struensees Fall seine Stellen und musste Dänemark verlassen, obwohl er nicht mit ihm zusammengearbeitet hatte. Sein unfreiwilliges Exil in Oldenburg machte ihn bitter und er betrachtete immer seine Jahre in Kopenhagen als die besten seines Lebens. Die erste Bernstorffbiographie (1777) stammt von ihm. Als deutscher Schriftsteller machte er sich einen nicht geringen Namen. Verheiratet mit einer Frau aus der Hugenottengemeinde in Kopenhagen.

Tode, Johann Clemens (Zollenspieker 1736 - Kopenhagen 1806), Arzt und Schriftsteller. Als Chirurgielehrling 1757 in die Hauptstadt gekommen, wurde er schon 1763 Reisechirurg des Königs. Dann erlernte er auf einer dreijährigen Auslandsreise das Neueste in den Fächern Chirurgie und Medizin. In Kopenhagen beendete er sein Medizinstudium mit der Promotion. Er war der umtriebigste Mann im akademischen Milieu Kopenhagens, begabt, rastlos und überall aktiv. Zuerst Arzt am Børnehuset und am Vartov, dann Hofarzt 1771, und Professor 1774. 1797 - 1805 Ordinarius. Mitglied der Geburtshilfekommission, Rektor, Mitbegründer der Borgerdydselskab und Initiatior der Efterslægtselskab; Gründer der chirurgischen Gesellschaft, Herausgeber von zahlreichen Periodika. Er entfaltete eine große schriftstellerische Tätigkeit mit medizinischen populärwissenschaftlichen Werken, politischen und literarischen Themen, mit Theaterkritiken, Schauspielen und Fabeln, meist moralisierend. Als 16-Jähriger hatte er Dänisch gelernt. Wichtig war seine "Medizinisch-chirurgische Bibliothek" in zehn Bänden. Er war der erste, der sah, dass Gonorrhoe und Syphilis zwei verschiedene Krankheiten waren. Seine Wohnung hatte er am Gammel Strand, später in der Østergade 55 und dann in der Købmagergade 16. An seinem Lebensende war er nach einer Gehirnblutung 1797 arm und Alkoholmissbrauch führte zu seiner Pensionierung. Tode liegt auf Holmens Kirkegård begraben. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Tutein, Peter (Mannheim 1726 - Kopenhagen 1799), Großhändler. Stammvater des reformierten Zweigs der Familie Tutein. Seit 1748 in Kopenhagen. 1756 selbständiger Kolonialwarenhändler. Reich durch Heirat mit der Erbin einer Strumpffabrik und durch Kaffee- und Zuckerimport. Errichtete eine Kattunfabrik bei Klampenborg, die nach Østerbro verlegt wurde. Als Reeder im Dreieckshandel mit Amerika tätig. Drittreichster Kopenhagener Bürger, mit Landhaus in Lyngby und führender Bürger in Christianshavn. Weyse warb um seine Tochter, was den Vater veranlasste, den Musiklehrer aus dem Haus zu werfen. Wohnte in der Købmagergade 13. Nach seinem Tode zog die Familie um in Vimmelskaftet 47. Begraben in der Deutschen Friedrichskirche.

Wasserschlebe, Joachim (Salzwedel 1709 - Klusgård bei Flensburg 1787), Diplomat und Kunstsammler. Von 1731 an in Paris, wo er fast 20 Jahre lang engster Mitarbeiter von J.H.E. Bernstorff war. Er folgte Bernstorff nach Kopenhagen und wurde Sekretär an der Deutschen Kanzlei. Hinzu kamen hohe Posten in der Zoll- und Wirtschaftsverwaltung und er wurde zur Schlüssselfigur der dänischen Industriepolitik. Seine Hauptbedeutung liegt in seiner Vermittlerrolle zwischen französischer Kultur und der Kopenhagener Elite (Saly und Jardin kamen über ihn nach Kopenhagen). Unverheiratet verbrachte er seine freie Zeit bei der Familie Bernstorff mit Postadresse dort. Als die Zeit seines Gönners abgelaufen war, ging auch er und zog sich auf sein Gut bei Flensburg zurück. Nach seinem Tode kam seine Sammlung von über 10000 Grafiken an die Kgl Kupferstichsammlung.

Wegmann, Berta (Soglio(Graubünden) 1847 - Kopenhagen 1926). Malerin. Eltern aus Graubünden eingewandert. Der Vater hatte eine Essigfabrik in der Strandgade.Unverheiratet. 1867 - 1881 in München, dann mit Unterbrechungen in Paris. Ihr erste Ausstellung in Kopenhagen hatte sie 1873 auf Charlottenborg. Nach ihrer Heimkehr war sie als Porträtmalerin sehr gefragt. Ihr Stil erinnert nicht an die dänischen Maler ihrer Zeit, sondern mehr an die Deutschen Liebermann und Slevogt. In der Porträtkunst leistet sie Großes durch ihre Fähigkeit, in die Porträtierten tief einzudringen und Echtheit und Ursprünglichkeit wiederzugeben, weil sie ein sicheres psychologisches Gespür besaß. Atelier in Dronningens Tværgade 6.

Weidenhaupt, Andreas (Kopenhagen 1738 - Kopenhagen 1805), Bildhauer mit deutschen Eltern, in St. Petri getauft und begraben. 1760 gewann er die große Goldmedaille und ging für drei Jahre nach Paris und dann Rom. 1771 wurde er Professor der Anatomie an der Kunstakademie. Er war nie sehr original und die meisten seiner Arbeiten sind vorloren gegangen. Viele Grabmäler kamen aus seiner Werkstatt. Zu nennen sind J. Boye Junges Grab in St. Petri, O.F. Müllers Grab in St. Petri-Kräutergarten, Suhms Grab in der Deutschen Friedrichskirche, Jens Juels und Wiedewelts Gräber auf Assistens Kirkegård. Reliefs in der Chirurgischen Akademie und die Figur des Ackerbaus am Freiheitsobelisken sind ebenfalls seine Werke.

Weyse, Christoph Ernst Friedrich (Altona 1774 - Kopenhagen 1842), Komponist, der schon als Zehnjähriger sein Debut hatte und als Wunderkind am Piano brillierte. C.F. Cramer in Kiel vermittelte ihn 1789 an Schulz in Kopenhagen, wo er drei Jahre bei ihm wohnte und Unterricht bekam. Vor hier aus gelangte er in den Kreis um Friederike Brun und wurde Organist an der Ref. Kirche. Schon 1796 wurden Werke von ihm in Deutschland gedruckt. Vor allem Haydn beeinflusste ihn. Letztes öffentliches Auftreten als Pianist 1802. Sein Interesse ging mehr und mehr in Richtung Vokalmusik, besonders zum Lied. Ein unglückliches Verhältnis zu Peter Tuteins Tochter Julie unterbrach seine Arbeit für längere Zeit. 1805 wurd er Organist an Vor Frue Kirke. Eine "Don Giovanni"-Aufführung 1807 in Kopenhagen muss einen umwälzenden Eindruck auf ihn gemacht haben (siehe Kierkegaard). Danach vollzog sich seine Entwicklung zum hervorragenden Vertreter der dänischen Romantik. Singspiele wie « Sovedrikken »(der Schlaftrunk) und « Et Æventyr i Rosenborg Have » (ein Märchen im Garten von Rosenborg) (1827), das ein enormer Bühnenerfolg wurde, bezeugen diese Entwicklung. 1816 wurde Weyse Professor und drei Jahre später Hofkomponist. Nun schrieb er neben Liedern, hierunter mehrere Goethe-Balladen, auch Kantaten. Seine stärksten Arbeiten sind die vielen Romanzen mit Klavierbegleitung. Darunter waren auch nationale Themen. Beherrschte die freie Improvisation, auch an der Orgel. Ab 1800 war Weyse Mittelpunkt des musikalischen Lebens in Dänemark und gern gesehene Hauptperson bei Kopenhagener Gesellschaften. Unverheiratet lebte er in seiner vornehmen Wohnung in der Kronprinsessegade 36, 2. Stock, wo er eine große Sammlung von Raritäten, u.a. 12 Feldstecher und eine Elektrisiermaschine hatte. Seine Bibliothek war ansehnlich. Dennoch oder gerade darum war er oft in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die dänische Sprache beherrschte er allmählich gut, verlor aber nie seinen holsteinischen Akzent. Begraben ist C.E.F. Weyse in Roskilde unter einem Grabmal von Hetsch. Büsten stehen am Frue Plads, im Kgl. Theater, im Kunstmuseum und in Studenterforeningen. Eine Straße ist nach ihm benannt.

Wiedewelt, Johannes (Kopenhagen 1731 - Kopenhagen 1802), Bildhauer. Wie Weidenhaupt aus einer deutschen Familie der St. Petri-Gemeinde. Seit Pate war Diedrich Gercken. Von Wasserschlebe in Paris 1750 gefördert. 1754 - 1756 in Rom, wo er sich durch den Einfluss Winckelmanns vom Barock löste. Mit Winckelmann verband ihn eine enge Freundschaft. Seit 1758 war er wieder in seiner Heimatstadt und machte schnell Karriere. Er wurde Professor und später Direktor an der Kunstakademie und Hofbildhauer. Als Berater von Staat und Privatleuten im neuen klassizistischen Kunstgeschmack gewann er großen Einfluss. Besonders der Marmorsarkophag Christians VI. begründete seinen Ruf. Seine Produktion war groß: viele dekorative Arbeiten, Porzellan, Vasen, Festons, Medaillons. Die Figur der Treue am Freiheitsobelisken stammt von Wiedewelt. Die Skizzen für die Marmorkirche, die er ausschmücken sollte, sind erhalten geblieben. Den Garten hinter dem Schloss Fredensborg gestaltete er mit seinen Statuen. Sein bestes Werk ist das Grabmal Frederiks V., an dem er zwanzig Jahre arbeitete. Seine Werkstatt und Wohnung hatte er ab 1759 in Materialgården am Frederiksholms Kanal. Gegen Ende seines Lebens hatte er künstlerische, wirtschaftliche und psychische Probleme und nahm sich offenbar das Leben durch Ertrinken im Sortedamssøen. Seine Kunst war ohne tiefe Nachwirkung auf die spätere dänische Bildhauerkunst. In seiner Werkstatt erinnert keine Plakette an ihn. Eine Statuette von ihm in der Glyptothek. Begraben wurde er in der St. Petri-Abteilung des Assistens Kirkegård mit einem Denkmal von Andreas Weidenhaupt. Eine Straße ist nach ihm benannt sowie die Säule in Bassin des Gartens der Kgl. Bibliothek.

Zinck, Hardenack Otto Conrad (Husum 1746 - Kopenhagen 1831). Chorleiter, aus einer Musikerfamilie. Von 1787 bis 1817 Gesanglehrer am Kgl. Theater. Musiklehrer am Blaagaard Seminar von 1791 bis 1811 und Organist an Vor Frelser Kirke. Er war ein temperamentvoller Mann und konnte, obwohl naiv und unpraktisch, durch seine hohen Ansprüche und seine musikpädagogischen Publikationen das Interesse für den Gesang beim Kopenhagener Publikum erwecken und steigern. Er wohnte in derselben Straße wie Weyse, der Kronprinsessegade, erst in Nr. 10 und dann in 44. Einer seiner Söhne war Organist an der Kastellskirche.

Zinn, Johann Ludwig (Mayubernheim 1734 - Kopenhagen 1802). Finanzmann, Kaufmann. Begann 1754 an Angestellter der Firma Fabritius & Wewer. 1790 Vorsitzender der Großhändlergesellschaft. Mit öffentlichen Aufgaben betrauter Großkaufmann, u.a. verantwortlich für die Kornversorgung der Stadt. Die Firma war drei Generationen in derselben Familie. Verheiratet mit einer Tochter von Preisler. Wohnhaus in der Kvæsthusgade. Begraben in der Deutschen Friedrichskirche.