Der Neueste Deutsche Film
Nach einem Jahrzehnt des kommerziellen Mißerfolgs und der internationalen Isolation kann der deutsche Film seit Anfang der 90er Jahre, seit "Der bewegte Mann", wieder mit einer ansehnlichen Zahl von Kinoerfolgen und sogar mit beginnender übernationaler Anerkennung - Oscar-Nominierung für "Jenseits der Stille"; "Lola rennt" im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig - aufwarten (was die deutsche Filmkritik freilich nicht davon abhält, dem deutschen Film unbeirrt eine Dauerkrise zu attestieren).
Wodurch wurde dieser unbestreitbare Wandel bewirkt? War es die Abkehr von bestimmten Prinzipien des Autorenfilms, eine bewußte Hinwendung zum Publikum durch Wiedereinführung von Arbeitsteiligkeit (Drehbuchautor, Regisseur, Produzent etc.) und Starsystem oder lag es an der Professionalisierung durch Ausbildung oder an einer gezielten finanziellen Förderung durch die Länder und den Bund? Im Proseminar sollen diese Fragen zu allgemeineren filmhistorischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Beziehung gesetzt werden und am Beispiel des Neuesten Deutschen Films gleichzeitig elementare medienökonomische, -politische und -ästhetische Probleme aufgezeigt werden.
Literatur: Heike Amend/Michael Bütow (Hrsg.), Der bewegte Film. Aufbruch zu neuen deutschen Erfolgen. Berlin: Vistas 1997; Heiko R: Blum/Katharina Blum, Gesichter des neuen deutschen Films. München: Heyne 1999; Thomas Elsaesser, Der Neue Deutsche Film. Von den Anfängen bis zu den Neunziger Jahren, München: Heyne 1994; Anton Kaes, Der Neue Deutsche Film. In: Geoffrey Nowell-Smith (Hrsg.), Geschichte des internationalen Films. Stuttgart: Metzler 1998, S. 566-581; Joachim Paech, Autorenfilm. In: Horst Albert Glaser (Hrsg.), Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1995. Eine Sozialgeschichte. Stuttgart: UTB 1997, S. 693-712.A. Schreitmüller