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Eine Klasse hat 1962 in der DDR Abitur gemacht. 1972 treffen
sich die Schüler nach zehn Jahren wieder. Viele haben sich
in den letzten Jahren kaum gesehen. Deshalb drückt man sich
am Anfang vorsichtig aus. Man kann ja nicht wissen welche Haltungen
die anderen heute vertreten. Bei manchen war man schon immer
etwas unsicher.
Jede(r) Schüler(in) zieht einen Zettel mit der Beschreibung
der Rolle, die zu spielen ist.
Die Rollen können alle vier- bis fünfmal auftreten,
je nachdem wie groß die Klasse ist.
A: »SPITZEL«
Du machst dir Sorgen um deine Karriere. Um bessere Chancen zu
haben, bist du inoffizieller Mitarbeiter der Stasi geworden.
Du meldest dich nicht in der Diskussion, sondern machst diskret
Notizen. Wenn jemand dir Fragen zu deiner Einstellung stellt,
antwortest du ausweichend.
B: »PRIMA STAATSBÜRGER«
Eigentlich bist du unpolitisch. Was dich am meisten interessiert,
ist die eigene Familie. Du hast zwei Kinder von fünf und
drei Jahren. Du meinst, dass das Leben in der DDR auszuhalten
ist. Schließlich gibt es ja hier keine KZ-Lager.
C: »SED-MITGLIED«
Du bist von der Richtigkeit des DDR-Staates überzeugt. Klar
gibt es hin und wieder Probleme, aber wo gibt es das nicht? Es
ist wichtig, dass wir die Propaganda des Westens durchschauen
und alle zusammenstehen, um diesen Staat noch besser zu entwickeln.
D: »DOPPELLEBEN«
Du hast dich mit dem Doppelleben in der DDR abgefunden, um das
größere Übel zu vermeiden. Du hast die Methoden
des Staates durchschaut, aber nicht akzeptiert. Du ballst die
Faust in der Hosentasche. Der innere Widerstand ist der einzige
mögliche Widerstand in einer Diktatur.
E: »FLUCHT«
Du bist dabei eine Flucht zu planen. Wenn keine Hoffnung besteht,
dass das System sich verändern wird, hat man nur die Möglichkeit,
das Land zu verlassen. Natürlich gehtst du ein gewisses
Risiko ein, aber riskiert man nicht viel mehr, wenn man bleibt?
F: »HIER BLEIBEN«
Alle Gegner des Systems haben die Pflicht hier zu bleiben. Wenn
alle vernünftigen und klar denkenden Bürger das Land
verlassen würden, wo bliebe dann der Widerstand? Es ist
moralisch falsch, auf Kosten der anderen sich selbst zu retten. |